Ressourcenbasierte Wirtschaft – Kapitel 6: Städte, die denken

Anthropologen betrachten die Stadt als unsere fundamentalste soziale Errungenschaft. Die erste bekannte Stadt soll vor 5400 Jahren im antiken Sumer entstanden sein. Seitdem haben sich Prozesse und Rohstoffe, die eine Stadtentwicklung maßgeblich ausmachen, erheblich gewandelt und es kam zur Integration fortschrittlicher „sozialer“ Konventionen, wie zum Beispiel elektrischer Systeme, Wasserversorgungsnetze usw. Trotzdem sind unsere heutigen Städte, so modern wie sie zunächst erscheinen mögen, längst nicht mehr auf dem Stand der modernen technischen Möglichkeiten und der wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Es ist Zeit, dass wir in der Städteplanung einen umfassenden systemischen Ansatz verfolgen. Der Begriff „systemisch“ stammt aus dem Griechischen „synistanai“ und bedeutet „zusammen bringen oder kombinieren“. Einen systemischen Ansatz zu verfolgen heißt in diesem Fall, die „Elemente“ aus denen eine Stadt besteht, wie zum Beispiel Häuser, Kraftwerke und Fabriken, miteinander zu verbinden und sie in die „Prozesse“, die in einer Stadt ablaufen, wie Abfallentsorgung, Bewässerung, Stromversorgung, Dienstleitungs- und Warenproduktion usf., zu integrieren.
In einer Ressourcenbasierten Ökonomie sind die Städte dazu ausgelegt flexibel zu sein und sich ständigem Wandel und Fortschritt zu unterziehen. Sie sind aufstrebende, voll integrierte Systeme, die dazu geschaffen wurden, sich wie ein lebendiger Organismus weiterzuentwickeln.
Jaques Frescos innovative, multidimensionale und kreisförmige Stadtentwürfe stützen sich ausschließlich auf hochentwickelten Rohstoffen und Bautechniken. Sie verlangen jedoch einen Neuanfang. Der Versuch unsere bestehenden Städte den neuen Maßstäben anzupassen ist verlorene Zeit, das Material und die Anstrengung nicht wert. Es ist weniger problematisch und effektiver neue Städte zu errichten, anstatt alte zu sanieren. Der Entwurf und die Entwicklung dieser neuen Städte betont die Erneuerung und den Schutz der Umwelt insbesondere durch eine effiziente Nutzung von energiesparenden Baustoffen, die einfach zu produzieren und wartungsarm sind. Viele der alten ineffizienten Städte werden als Rohstoffquelle genutzt, während andere als Museumsstädte erhalten bleiben.

Die kreisförmige Stadt:

Eine kreisförmige Stadt erlaubt es, Ressourcen sehr effizient zu verwenden, intelligent zu reisen, ist allgemein sehr funktional und das alles bei einem sehr geringen Energieaufwand. Die geometrisch elegante, runde Anordnung genügt höchsten Anforderungen des Lebensstandards in einer sehr produktiven und effektiven Weise. Diese Städte nützen den Menschen und stehen dabei in völliger Harmonie mit der Umgebung. Die Konfiguration dieser Städte wäre ein exaktes Abbild der zu erfüllenden Funktionalität.

Ein paar Beispiele. Der äußerste Ring der Stadt wird für naturnahe Erholung genutzt. Wanderpfade und Fahrradwege sind hier verfügbar, Wassersport und jede andere vorstellbare Außensportart kann hier betrieben werden.
Der nächstinnere Ring besitzt Ackerbaufläche. Hier werden Treibhaus- oder Freilandmethoden für den Ackerbau angewendet, so dass hier das ganze Jahr über Nahrung angepflanzt werden kann.
Weiterhin wird es hier acht große Bereiche geben, die saubere, erneuerbare Energie für die gesamte Stadt produzieren. Die verwendeten Energiequellen hängen von der Region ab, aber es gibt eine Palette an überall nutzbaren Energiequellen. Es gibt die Geothermalenergie, Windenergie oder Solarenergie, Städte am Wasser würden Wellen- und Gezeitenenergie benutzen. Der größte der Bereiche wäre der Wohnraum. Hier gibt es einzigartige Häuser und Wohnungen. Diese Wohnungen sind durch spezielle Technologie gebaut. Das besondere daran ist, dass jedes Haus vorgefertigt produziert und dann platziert werden kann. Die Tage der Fachwerkhäuser sind vorbei. Die Häuser der Zukunft werden aus monolithischen Strukturen bestehen, die als ein Ganzes produziert werden. Alle Systeme sind des weiteren praktisch autonom. Zum Beispiel sind die Außenflächen jeder Wohnung bestückt mit solaren Stromgeneratoren, die die Sonnenenergie unmittelbar in elektrischen Strom umwandeln. Die Häuser sind feuerfest, wasserdicht, benötigen kaum Wartung und sind immun gegen viele andere Außeneinwirkungen. Schäden, die durch Erdbeben, Fluten oder Wirbelstürme entstehen, werden von Anfang an durch das Design der Wohnung, so weit es geht, vermieden – natürlich muss das entsprechende Haus an die Umgebung, in der die Stadt platziert ist, angepasst sein.
Hinter dem Wohnbereich wird es Bildungs- und Wissenschaftsanlagen geben, zusammen mit Produktions- und Verteilungszentren. Automatische Inventursysteme werden die gesamte Verteilung und Herstellung in einer sehr intelligent koordinierten und effizienten Art vollautomatisch verwalten. Ohne die Verknappung von Geld und Wert gäbe es keine Grenzen bei der Produktion.

Im Zentrum der Stadt gibt es ein riesiges Zentralgebäude, dass das zentrale Kybernetisierungssystem enthält. Dies ist das zentrale Gehirn, das Schaltwerk der gesamten Stadt. Wie schon im Kapitel “Regierung” erwähnt, wird die gesamte Stadt durch überal platzierte Sensoren kontrolliert und gesteuert und das Zentralgehirn würde diese Prozesse kontrollieren. Auch die Verteilung der Güter und die Kontrolle der Paramter außerhalb der Stadt würde das Zentrum übernehmen. Zum Beispiel würden im Agrarsektor elektronische Proben entnommen werden, die Informationen über die Bodenqualität liefern. Diese würden im Zentrum ausgewertet und das System würde automatisch Schritte zur Qualitätoptimierung einleiten. Diese Methode des Umwelt-Feedbacks würde in der ganzen Stadt funktionieren und angewendet werden. So wird eine Ökonomie der ausgeglichenen Last innerhalb der Stadt aufrechterhalten; Müll und Überschuss werden vermieden.
Ebenfalls im Zentrum befindet sich das Transportsystem. Darüber wirst du gleich mehr erfahren. Um das Zentralgebäude herum gibt es acht kleinere, so genannte Kulturzentren. Hier gibt es Testgelände, hier werden Vorträge gehalten und Entwicklungen präsentiert.
Müllverwertung und andere Notwendigkeiten sind unterirdisch angelegt und verwenden stets die fortschrittlichsten, saubersten Methoden.
Neben der kreisförmigen Stadt würden andere Stadtentwürfe verschieden konfiguriert sein. Als “Landstadt”, “ummantelte Stadt” oder “Meerstadt”. Die Besiedlung der Ozeane ist wahrscheinlich die nächste Stufe für die Menschheit um den landbasierten Bevölkerungsdruck zu mildern. Gemeinschaften in Meeresstädten werden als künstliche Inseln, schwimmende Strukturen und als unter dem Meer gelegene Beobachtungsposten funktionieren.
Die Städte der Erde, wie auch immer sie sein mögen, sind alle eng miteinander in einem weltweiten System verbunden. So wie jede Stadt einen zentralen Verwaltungsdom mit einem Gehirn besitzt, zusammen mit dem Nervensystem aus elektronischen Sonden und Satellitendaten, nimmt der größere Weltkomplex jede Stadt auf, um die Umwelt in einer ganzheitlichen Sichtweise zu überwachen. Damit ist sichergestellt, dass in allen Städten Rohstoffe vorhanden sind und übergeordnete Prozesse für alle Städte und die Umwelt als Ganzes reguliert werden. Die “Regierung” ist dann wie im vorherigen Kapitel erklärt in der Zentraldatenbank untergebracht, mit ihrem Nervensystem, welches in alle Stadtkomplexe und darüber hinaus reicht.

Transportwesen:

Innerhalb der Städte bewegen sich Rolltreppen und Aufzüge, Fahrbänder und Fließbänder in alle Richtungen. Sie sind mit allen anderen Transportsystemen verbunden. Dieses System ist bewusst so konzipiert, dass es die Notwendigkeit für jede Art von Automobil verringert. Es kann einen an jede Stelle innerhalb der Stadt bringen. Mit Einschienenbahnen, stromlinienförmige Autos, vertikal startende Flugzeuge und Magnetschwebezüge auch in die ganze Welt. Auch Flughäfen und internationale Versandsysteme werden in und um die Städte herum angelegt.

Wie allgemein bekannt, benötigen die vorherrschenden Transportmittel in unserer Gesellschaft für ihren Betrieb fossile Treibstoffe. Im Fall des Autos existiert die Technologie für Akkumulatoren, die eine Geschwindigkeit von über 160 km/h und 400 km Reichweite mit einer Aufladung ermöglichen schon für viele Jahre. Wegen den ungünstigen, von der Ölindustrie aus Furcht vor einer Beschneidung ihres Marktanteils gehaltenen Patente für diese Batterien, zusammen mit dem Druck der profitbasierten Energieindustrie, ist die Verfügbarkeit und die Leistung dieser Technologie beschränkt. Es gibt keinen Grund, außer purer, korrupter Profitgier, weshalb nicht jedes einzelne Transportvehikel der Welt absolut abgasfrei, ohne Bedarf an fossilen Treibstoffen, fahren könnte.

Was herkömmliche Flugzeuge betrifft, ist Magnetschwebetechnologie dabei, sie überflüssig zu machen. Ein Magnetschwebezug nutzt als Antrieb die Kraft der Magnete. Er wird vollständig von einem Magnetfeld getragen und benötigt weniger als 2 % der Energie, die bei einen Flug verbraucht wird. Der Zug hat keine Räder, daher kann nichts verschleißen. Diese röhrenbasierten Magnetschwebebahnen könnten über 6000 km/h erreichen – in einer bewegungslosen, reibungslösen Röhre, welche auf Land wie auch unter Wasser verläuft. Sie sind schnell, sauber, effizient und benötigen nur einen Bruchteil der Energie, die wir heute für denselben Zweck verbrauchen.

Lebensstil:

In unserem derzeitigen System ist die traditionelle Familie gebrochen, beide Elternteile arbeiten um zu Überleben. Die Geldwirtschaft untergräbt den familiären Zusammenhalt und die Kindererziehung. Der Druck ist immer groß durch Rechnungen, Versicherungen, unsichere Arbeitsverhältnisse und Lebenserhaltungskosten. In einer Ressourcenbasierten Ökonomie ist der Zusammenhalt in der Familie wiederhergestellt.
Gleichzeitig würden die kulturellen Werte der Gesellschaft als Ganzes einen grundlegendem Wechsel durchlaufen.

Mit dem Ausklingen des monetären Systems und dem Beginn einer Welt, die für den “Reichtum” aller Bürger des Planeten zusammenarbeitet, hätte man mehr Zeit für Freizeitaktivitäten und dadurch würde das Maß an menschlicher Freiheit auf ein heute unvorstellbares Niveau steigen.
Viele stellen sich hier die Frage: “Was werden Menschen denn dann tun?”.

Die Antwort ist verständlicherweise: Was sie gerne möchten! In unserer heutigen Gesellschaft sind für viele die Optionen in der Lebensgestaltung aufgrund physischer Knappheit sehr limitiert. In einem monetären System ist die ganze Idee der Freiheit untergraben, da man nur so wie der Geldbeutel dick ist. Dies beschränkt die kreativen Entfaltungsmöglichkeiten der Menschen und viele haben eine extrem pessimistische Sicht auf die Umsetzbarkeit von Projekten.
Beispielsweise hatte eine Frau früher die Aufgabe, zum nahegelegenen Fluss zu gehen und Wasser zum Kochen zu schöpfen. Sie hätte sicherlich ein Gefühl von Nutzlosigkeit, wenn auf einmal Rohrleitungen in ihr Haus gelegt werden würden und sie Wasser plötzlich direkt aus dem Wasserhahn bekäme.
Tatsache ist, dass neue Technologien unsere Werte verändern können und es wichtig ist, dass wir unser Wertesystem der modernen Zeit entsprechend anpassen.

Gleichzeitig wird es einen großen Wandel der Werte und des Lebensstils geben, und dabei, wie Menschen über Besitz denken. In einem großen Teil der heutigen Welt ist Besitz ein mächtiges Konzept, wodurch Menschen ihren sozialen Status mit der Menge ihres Besitzes in Verbindung bringen. Das monetäre System benötigt zum Funktionieren, wie zuvor schon erwähnt, zyklischen Konsum. Dies führt dazu, dass Menschen in den Glauben hinein manipuliert werden müssen, dass sie ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung benötigen. Aufgrund des mächtigen Werkzeugs moderne Werbung, hat der größte Teil der Welt ein künstliches, materialistisches Wertesystem verinnerlicht, welches dazu führt, dass immer mehr Produkte und Dienstleistungen nachgefragt werden, oft ungeachtet ihrer Notwendigkeit oder ihrem Nutzen.
In einer Ressourcenbasierten Ökonomie wird das monetäre System nicht länger den menschlichen Geist durch seine Manipulation (Werbung) benebeln. Die endlosen Werbesendungen, Werbeplakate, Werbemagazine und dergleichen werden nicht länger die Landschaft und unsere Wahrnehmung gefangen halten. Dies würde zu einer dramatischen Veränderung im menschlichen Wertesystem und Lebensstil führen.

Viel grundlegender ist: In einer Ressourcenbasierten Ökonomie gibt es keine Notwendigkeit für Besitz. Besitz ist ein Auswuchs der Knappheit. Menschen, die hart für ein bestimmtes Produkt oder einen Rohstoff arbeiten mussten, werden diesen beschützen, da die Ressource neben ihrer Knappheit einen großen Wert relativ zur Arbeitskraft besitzt. Besitz ist keine kapitalistische Idee. Er ist ein einfaches mentales Konzept, verinnerlicht durch von Knappheit geprägten Generationen. Menschen beanspruchen Besitz, da es eine rechtliche Form des Existenzschutzes ist.

In einem geldlosen System des Überflusses wird die Idee von Besitz irrelevant.
In diesem neuen System besitzt niemand etwas. Stattdessen hat jeder unbeschränkten Zugang zu allem.
Besitz ist eine große Belastung. Menschen müssen nicht länger an einem Ort bleiben. Sie könnten ununterbrochen die Welt bereisen. Alles was benötigt wird, wird ohne Einschränkung zur Verfügung gestellt. Es gibt keinen Grund, etwas zu missbrauchen, da man daraus keinen Vorteil ziehen kann. Sachen, die keiner besitzt, kann man weder stehlen noch verkaufen. Haushaltsgegenstände bekommt man an zentralen Versorgungszentren, während man Freizeitausrüstung entweder auf Bestellung oder am Ort ihrer Anwendung verfügbar sind. Man benutzt sie und gibt sie dann zurück. Wenn man entscheidet, sie zu behalten, gerne – das ist eine selbstgewählte Belastung. Weshalb sollte man Golfschläger transportieren und aufbewahren wollen, wenn man sie auf dem Platz immer zur Verfügung hat und sie dort wieder direkt abgeben kann? Unsere Wohnungen und Häuser sind heutzutage voller Zeug, an dem wir aufgrund des vermuteten Wertes festhalten. Diese Verschwendung wird nicht länger nötig sein.
In diesem Modell ist der Stadtkomplex, oder besser die ganze Welt dein Zuhause. Statt unbenutzte Staubfänger im Haus zu haben werden sie zentral für jeden verfügbar aufbewahrt und es gibt weniger unbenutzten Müll. Wenn man aus einem bestimmten Grund ein Auto benötigt, wird einem das zur Verfügung gestellt. Wenn du an deinem Bestimmungsort ankommst, wird das satellitenbasierte Navigationssystem das Auto für andere zur Verfügung stellen, anstatt dass es irgendwo auf einem Parkplatz steht und Zeit und Platz verschwendet.
In der heutigen Gesellschaft führt die Notwendigkeit von Besitz zu einen massiven Produktüberschuss und unnötiger Umweltverschmutzung. Es gibt keinen Grund dafür, dass jeder ein Auto besitzt. Meistens fährt man es eine Stunde am Tag. Es ist viel intelligenter, ein universales Verteilungssystem zu entwickeln, was den Abfall und die Redundanz dramatisch verringern, Platz schaffen und die Effizienz erhöhen würde.

Die Städte in einer Ressourcenbasierten Ökonomie werden einen vollständigen systemischen Ansatz durchführen und alle Elemente und Prozesse der Stadt in ein selbstverwaltendes Ganze integrieren, so wie es technisch derzeit möglich ist. Wir müssen von Neuem beginnen und uns nicht mit der Plackerei des “Flickens” alter Städte aufhalten, welche strukturell bereits veraltet sind. Während viele Entwürfe denkbar sind, wie ozeanische-, ummantelte- und natürlich Land-Städte, stellt die Kreisförmige Stadt, wie sie von Jacque Fresco entworfen wurde, einen der effizientesten dar. Ihre differenzierten kreisförmigen Abschnitte funktionieren als Bestandteile der allgemeinen Funktionalität der Stadt, in denen es Platz für Änderungen, Erneuerungen und Überführungen gibt.
Die Lebensstile in einer Ressourcenbasierten Ökonomie unterscheiden sich von den heutigen sehr, da die Wertvorstellungen der Menschen einen grundlegenden Wandel durchlaufen werden, sobald der Einfluss des durch Knappheit geprägten monetären Systems nachlässt. Eine der grundlegenden Änderungen wird unsere Beziehung zu Besitz und Eigentum betreffen. Es wird in der Zukunft keinen Grund für Eigentum geben, da sich der Fokus von der “Aneignung” hin zum “Zugriff” verschoben hat. Jeder auf der Welt wird Zugriff auf für ihn Notwendiges haben, wobei das gesamte System darauf basiert, dies zu ermöglichen.

weiter zum Kapitel 7: Natur oder Erziehung

SOURCE: TZM – RBE (Stand: 27.10.2011)

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