Ressourcenbasierte Wirtschaft – Kapitel 2: Der endgültige Zusammenbruch

Jenseits der Verantwortungslosigkeit

David Walker, ehemaliger Präsident des amerikanischen Rechnungshofes und Leiter des Rechnungs- und Untersuchungsausschusses, warnte vor den Wahlen im Jahr 2004 davor, dass die Vereinigten Staaten und ihre Steuerzahler spätestens 2009 nicht mehr in der Lage seien, die Zinsen der Staatsverschuldung zu zahlen, wenn man keine tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen vornimmt. Im Jahr 2001 befand eine vom US-Finanzministerium autorisierte Studie, dass bis zum Jahr 2013 die Einkommenssteuer auf 65 % erhöht werden müsste, um den Schuldenzahlungen (bei deren momentaner Wachstumsrate) Folge leisten zu können. Wenn die Vereinigten Staaten es sich nicht mehr leisten können, die Zinsen auf ihre Schulden zu zahlen, dann wäre das die letzte Phase des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und hätte somit einen totalen Bilderbuch-Bankrott zur Folge. Aufgrund inhärenter finanzieller/kommerzieller Abhängigkeiten würde sich diese systemische Krise wahrscheinlich wieder auf den Rest der Welt auswirken.

Wie konnte das geschehen? Warum betrugen im Januar 2009 die US-Staatsschulden 12.250.000.000.000 US Dollar? Von den 203 Ländern der Erde sind heute nur vier (!) schuldenfrei. Die externe Verschuldung aller Regierungen der Welt beträgt zusammengenommen ungefähr 52 Billionen US Dollar, und diese Zahl beinhaltet noch nicht einmal die riesigen Haushaltsschulden der einzelnen Länder.

Im Grunde genommen ist die ganze Welt bankrott. Aber wie? Wie kann sich die Welt selbst Geld schulden?
Der Unsinn der ganzen Situation ist offensichtlich. Es gibt so etwas wie “Geld” überhaupt nicht. Es gibt nur planetare Ressourcen, menschliche Arbeit und menschliche Erfindungsgabe. Das monetäre System ist nichts weiter als ein Spiel … und zwar ein veraltetes und kaputtes Spiel. Diejenigen, die sich in Machtpositionen befinden, ändern die Regeln des Spiels nach Belieben. Diese Regeln werden von denselben wettbewerbsorientierten, verstörten Prinzipien bestimmt, die im alltäglichen “monetären” Leben gelten, nur dass diese manipuliert werden, um diejenigen zu begünstigen, die Macht besitzen.

Wenn du zum Beispiel 1 Million Dollar hast und dieses Geld mit 5 % Zinsen mittels Einlagezertifikaten anlegst, dann erhältst du 50.000 Dollar im Jahr einfach nur für diese Anlage. Du machst aus Geld Geld … aus Papier Papier … sonst nichts – keine Erfindung – kein Beitrag zur Gesellschaft – gar nichts. Nachdem wir das festgestellt haben … wenn du zur unteren oder mittleren Schicht gehörst, also beschränkte finanzielle Mittel besitzt und du auf zinsbasierte Darlehen zurückgreifen musst, um dir deine Wohnung leisten zu können oder um Kreditkarten zu benutzen, dann zahlst du Zinsen an die Bank, welche die Bank dann (so lautet die Theorie) dazu verwendet, um der Person mit dem 5 %-Einlagenzertifikat ihre Zinsen zu bezahlen! Diese Gleichung ist nicht nur ungeheuerlich widerwärtig, weil sie durch Zinswucher “von den Armen stiehlt und den Reichen gibt”, sondern sie erhält durch ihre Ausgestaltung auch noch die Schichtenteilung aufrecht, so dass die unteren Schichten unter der ständigen Last der Schulden arm bleiben, während die oberen Schichten reich bleiben, indem sie überschüssiges Geld ohne jegliche Arbeit in noch mehr Geld verwandeln.

Von dieser Realität abgesehen gibt es noch andere Spiele in diesem System, die für Jahrzehnte funktioniert haben, nun aber in der unabwendbaren mathematischen Katastrophe fehlschlagen, die bereits vor 100 Jahren vorhergesehen wurde.

Der “Boom- und Bust- Zyklus” (auch bekannt als der Geschäftszyklus)

Oberflächliche Definitionen des Geschäftszyklusses lesen sich in etwa so: “Die wiederkehrenden Unregelmäßigkeiten in ökonomischer Aktivität, namentlich Rezession, Erholung, Wachstum und Niedergang”. Dies sagt jedoch nichts über die Gründe für diese Unregelmäßigkeiten aus. Während es verschiedene Theorien über die Gründe dafür gibt, scheint es so, dass die meisten Ökonomen vor dem “Elefanten im Porzellanladen” zurückschrecken … und das ist der machtvolle Effekt der Kontraktion (Entnahme von Geld) und der Expansion (Hinzufügen von Geld) auf den Geschäftszyklus.

Wenn Geld dem Geldpool hinzugefügt wird, dann wird dieses Geld typischerweise zweckgebunden verwendet. Sehr oft wird dadurch die Gründung eines Geschäfts, der Kauf eines Hauses, die Investition in ein Börsengeschäft und weiterem mehr getätigt. Diese Verwendung von Geld führt oft zu sogenanntem “wirtschaftlichen Wachstum”. Kreditexpansion in der Form von Privat- und Geschäftskrediten ist tatsächlich die verdeckte Kraft hinter dem ökonomischem Wachstum. Dies ist im Grunde die “Boom”-Periode des Geschäftszyklusses. Wenn du die vorangegangene Trends des ökonomischen Wachstums in den USA untersuchst, wirst du eine konstante Korrelation zu der Kreditexpansion erkennen. (Zum Beispiel die IT-Blase 1990-2000)

Unglücklicherweise kann Geld nicht in unbegrenzten Mengen der Ökonomie zugeführt werden, weil die mit der Expansion einhergehenden Schulden und die Inflation schließlich die “Wachstums”-Gewinne auffressen. Dies liegt an der Tatsache, dass ständig neues Geld benötigt wird um die anwachsenden Schulden zu decken, was wiederum an der Notwendigkeit der Rückzahlung der Kreditzinsen liegt (das Geld dafür ist im Geldpool nicht vorhanden).

Deshalb zeigen die ökonomischen Indikatoren nach einer Zeit des ökonomischen Wachstums (Boom) jetzt eine schwächelnde Wirtschaft an. Die Finanzbehörden können jetzt aus zwei Alternativen wählen:

[1] Die Expansion durch die Zuführung von noch mehr Geld fortzuführen, dies wird durch die Senkung von Kreditzinsen bewerkstelligt (Für 2009 sind diese bereits weltweit nahe 0%), oder sie durch die simple Bewegung von großen Geldsummen in einzelnen Bereichen zu erzwingen (So wie 2008 der Bankenfreikauf in den USA für 700 Milliarden Dollar).

[2] Ein Auslösen der Kontraktion (Rezession) durch die Erhöhung der Kreditzinsen, um die Wirtschaft wieder auf eine Art Gleichgewicht zurückzuführen. Dies sind generalisierte, aufgezählte Beispiele. Dieser Artikel möchte weder alle Sachverhalte noch Einzelheiten nennen.

Soweit es die Geschichte betrifft, wurde beides parallel vorangetrieben. Die Idee dahinter ist, dass durch die Zuführung von Liquidität die Wogen der Rezession “geglättet” werden können. Die Begründung ist einfach. Für die herrschende Klasse ist es politisch schädlich unbeschäftigte, arme Einwohner zu haben. Dies kann zur Verachtung der Anführer führen und vielleicht zu Revolution. Deshalb kommt es immer auf die Beschwichtigung der Öffentlichkeit mit falschen Sicherheiten an, um die Wahrheit über das inhärent dysfunktionale und korrupte Schneeballsystem, welches wir monetäres System nennen, daran zu hindern, an die Öffentlichkeit zu gelangen. In einem System, in dem Geld aus Geld durch die Erschaffung von Schulden entsteht, worauf Zinsen erhoben werden, wodurch mehr geschuldet wird als überhaupt im Umlauf ist – hat man ein Paradebeispiel für ein Schneeballsystem. Das Werkzeug wird partielles Reservesystem genannt. In Ellen Browns Web of Debt steht in Kapitel 2 mehr über diese monetären Geldexpansionsstrategien.

Aber wenn man bedenkt, dass Geld zu Zeiten der Kontraktion immer ins System gepumpt wurde, ist der “durchschnittliche” Pfad im Grunde stetig ansteigend. Schaubild 2 ist ein idealisiertes Abbild von dem, was in den letzten 70 Jahren passiert ist und was passieren könnte, wenn die “Große Kontraktion” unmittelbar bevorsteht.

Schaubild 2

Seit März 2006 veröffentlicht die US Regierung nicht länger M3, die vollständige Geldmenge in der Wirtschaft. Weshalb? – Sie wollen nicht, dass die Öffentlichkeit erkennt, wieviel Geld in das System gepumpt wird.

Unabhängig von der unterbrochenen Information durch die Fed ist es freien Ökonomen gelungen, die Bestandteile von M3 unabhängig voneinander zu verfolgen und es wurde beobachtet, dass M3 von 10 Billionen 2006 auf 14,5 Billionen 2008 gestiegen ist, das ist eine fast 50% Zunahme in drei Jahren.

Wie weit kann uns das führen? Mit dieser Rate werden 2015 30 Billionen Dollar verfügbar sein.

Nur weil Geld ins System gepumpt wird, heißt das noch nicht, dass ökonomisches Wachstum stattfindet. Dies ist ein wichtiger Fakt. Zum Beispiel ist ein Indikator für ökonomisches Wachstum die Schaffung von Jobs. Schaubild 5 zeigt die US Beschäftigungszahlen, einschließlich der SGS. Die SGS Alternative Arbeitslosenzahl berechnet sich wie derzeitige Arbeitlslosenerhebungsmethoden. Allerdings mit der von SGS geschätzten Anzahl der “entmutigten Arbeiter”, die von der Clinton Regierung herausdefiniert und auf die offiziellen BLS Schätzungen der U-6 Arbeitslosigkeit aufgerechnet wurden. SGS beachtet auch diejenigen Amerikaner, die schlicht deswegen nicht als “arbeitslos” erfasst werden, weil ihre Erfassungsfrist abgelaufen ist.

Schaubild 5

Während offizielle Behörden der Regierung berichteten, dass die Arbeitslosigkeit am Ende von 2008 7% betrug, decken weiterführende Forschungen auf, dass sie tatsächlich eher 18% betrug. Weitere Gründe für diese Realität werden im nächsten Abschnitt behandelt (Der Ultimative Outsource), aber für jetzt verwenden wir diese Information einfach um zu verstehen, dass die derzeitige Gabe von immer mehr Geld in unser Geldsystem in der derzeitigen Finanzkrise keine Wirkung hat.

Wie bereits erwähnt, kann Geld einer Wirtschaft nicht grenzenlos zugeführt werden, da die Schuld und Inflation, die durch die Expansion erst verursacht werden, schließlich den Nutzen des “Wachstums” auffressen. Dies passiert gerade und wahrscheinlich wird keine Intervention (Massive Geldexpansion) diese letzte Krise “glätten” können.

Warum? – Vor allem weil die Schuldenmenge zu hoch ist. Die Gesamtschulden der US Regierung und ihrer Einwohner betrugen 2007 53.000.000.000.000 Dollar. Dies ist verrückt, wenn man bedenkt, dass 2007 der Geldpool der USA (M3) nur 12.000.000.000.000 Dollar betrug. Werden wir nun 40 Billionen Dollar in die US Wirtschaft pumpen um dies zu decken? Nein – denn dies würde nicht nur Billionen Dollar schwere neue Schulden erzeugen, sondern auch wahrscheinlich in allen Wirtschaftssparten eine Hyperinflation auslösen. Andererseits betrug das das BIP der USA 2007 nur 14 Billionen Dollar!

Jetzt (2009) laufen Deflation und Inflation zugleich ab, wobei die Deflation, in Form von Geldkontraktion, gewinnt. Salopp gesagt, verschwindet das Geld schneller als wie es ins System gepumpt werden kann.

Während das System unausweichlich auf diesen Prozess zusteuert, scheint die Kette der Ereignisse für den derzeitigen Kollaps mit der ungezügelten Spekulationsblase im Immobilienmarkt begonnen zu haben. Als der zusammengebrochen war, wurde der Derivatenmarkt, (welcher mit all seinen Werten den Wert aller BIPS weltweit um ein Vielfaches übertrifft, siehe Brown, Ellen, Credit Default Swaps: Evolving Financial Meltdown and Derivative Disaster Du Jour, webofdebt.com, 2008) der in diesem Immobilien-Hypothekenmarkt Glücksspiel betrieben hatte, “giftig”, weil die Besitzer ihre Häuser verkaufen mussten. Dies führte zum Scheitern der Investmentbanken, zum Scheitern der kommerziellen Banken und zum Scheitern der Unternehmen, die Kredite benötigen, und schließlich zu Entlassungen. Durch die Natur des internationalen Finanzmarktes gilt diese Systemkritik global. Deshalb haben die westlichen Länder ähnliche Probleme wie die USA.

Nichtsdestotrotz bedenke, dass auch wenn die Immobilienblase und die “Raubkredite” scheinbar “schuldig sind”, sie es im Grunde nicht sind. Dieses Scheitern wäre auf die eine oder andere Art durch die Natur des Wirtschaftssystems zustande gekommen. Allerdings hat die unglaubliche Fahrlässigkeit, mit der das bereits instabile System verwaltet wurde, die Schwere des bevorstehenden Kollaps verschlimmert und ihn beschleunigt, wodurch die Zukunft in dieser fehlerhaften Struktur, dem monetären System, sehr düster aussieht.

Das ultimative Outsourcing:

Alles was im vorangegangenen Abschnitt beschrieben wurde, ist von großer Bedeutung im Hinblick auf das Verständnis, wo wir in dieser wirtschaftlichen Struktur stehen und wohin wir uns bewegen. Bitte beachte, diese Informationen gelten für Nicht-Amerikaner genauso wie für Amerikaner, denn die Welt teilt sich das selbe stark verknüpfte Grundsystem.

Als Antwort auf diese Probleme schlagen Menschen sehr oft “Währungsreformen” vor. Diese Vorschläge lesen sich dann in etwa so: “Zurück zum Gold-Standard”; “Zinsverbot”; Abschalten der Federal Reserve, die Rechte über den Papiergelddruck an die Regierung zurückgeben und es schuldenfrei zu verteilen … etc.

Bei all diese Reformen und all diesen Werteverschiebungen wird das unaufhaltbare Phänomen außer Acht gelassen, welches sich seit dem frühen 20. Jahrhundert entwickelt und die Arbeitswelt stark beeinflusst.

Wir reden von der Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen.

Im Zentrum unseres Wirtschaftssystems steht der Mechanismus der bezahlten Arbeit. Unser gesamtes Wirtschaftssystem beruht auf den Menschen, die ihre Arbeit als Ware am freien Markt anbieten. Hat der Mensch nicht die Möglichkeit “für ein Leben zu arbeiten”, dann ist das Finanzsystem, wie wir wissen, am Ende. Keiner kann Waren kaufen, wenn er nichts verdient. Unternehmen können es sich nicht leisten zu produzieren, wenn der Verbraucher keine Kaufkraft besitzt. Dieses Problem ist wichtiger als jedes andere, welches wir bisher in diesem Kapitel besprochen wurde.

Wie John Maynard Keynes, in Die allgemeine Theorie der Arbeitslosigkeit, des Zinses und des Geldes, verächtlich zu Bedenken gibt:

“Wir werden befallen von einer neuen Krankheit, von der einige Leser vielleicht noch nie gehört haben, aber in den kommenden Jahren öfter hören werden – und zwar von der ‘technologischen Arbeitslosigkeit’. Die Arbeitslosigkeit durch die Entdeckung von neuen Möglichkeiten zur Arbeitsersetzung steigt schneller, als dass wir neue Arbeitsfelder finden.“ (Keynes, John Maynard, The General Theory of Unemployment, Interest and Money, 1931)

Während Politiker, Geschäftsleute und Gewerkschaftsführer über Themen reden, die sie für die Arbeitslosigkeit in der Welt verantwortlich machen, wie ausländische Firmen, das Outsourcing der Arbeit oder die niedrig bezahlten Immigranten, bleibt der wahre Grund in der öffentlichen Debatte unbeleuchtet: Technologische Arbeitslosigkeit.

Mit den Worten des Nobelpreisträgers für Wirtschaft Wassily Leontief:

“Die Rolle des Menschen als der wichtigste Faktor für die Produktion wird in demselben Maße abnehmen, wie die Rolle des Pferdes in der landwirtschaftlichen Produktion erst abnahm und dann durch die Einführung von Traktoren ganz überflüssig wurde.” (Loentief, Wassily, National Perspective: The Definition of Problems and Opportunities, June 30)

Da die Marktwirtschaft die Reduzierung der Produktions- und Arbeitskosten zur Profiterhöhung anstrebt, ist die schnellstmögliche Ersetzung menschlicher Arbeit durch Maschinen eine natürliche Bestrebung in der Industrie. Schließlich muss eine Maschine keine Pausen einlegen, benötigt weder Gesundheitsversicherung noch Prämien und ist kein Mitglied einer Gewerkschaft.

Ein kurzer Blick auf die historischen US Beschäftigungsstatistiken zeigt einen deutlichen Trend zur Ersetzung menschlicher Arbeit durch Maschinen. Im landwirtschaftlichen Sektor wird inzwischen fast die ganze Arbeit durch Maschinen erledigt. 1949 erledigten Maschinen 6% der Baumwollernte im Süden. 1972 wurde 100% der Baumwollernte durch Maschinen eingeholt. (Peterson, Willis, The Cotton Harvester in Retrospect: Labor Displacement or Replacement? St Paul, 1991, pp 1-2) Als die Automatisierung im US Industriesektor in den 1950ern griff, verloren in 9 Jahren 1,6 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz. (Kahn, Tom, Problems of the Negro Movement, Dissent, 1964, p 115.) 1860 arbeiteten 60% der Amerikaner in der Landwirtschaft, während das heute weniger als 3% tun. (“Why job growth is Stalled”, Fortune, 3/8/93 p.52) 1950 arbeiteten 33% der Arbeiter in der USA im Industriesektor, 2002 waren es nur noch 10%. Die US-Stahlindustrie erhöhte zwischen 1982 und 2002 ihre Produktion von 75 Millionen Tonnen auf 120 Millionen Tonnen, während die Beschäftigungszahlen von 289.000 auf 74.000 zurück gingen. (Schwartz, Nelson D. Will ‘Made in the USA’ fade away? Fortune Nov 24th 2003, p. 102)

2003 veröffentlichte Alliance Capital eine Studie von den damals 20 größten Volkswirtschaften. Gemessen zwischen 1995 und 2002 wurden 31 Millionen Arbeitsplätze in der Produktion abgebaut, während die Produktion um 30% stieg (US Weekly Economic Update: Manufacturing Payrolls Declining Globally: The Untold Story, Alliance Bernstein Oct 2003). Dieser Zusammenhang zwischen steigender Produktivität und Profit gepaart mit abnehmender Beschäftigung, ist ein neues und mächtiges Phänomen, welches sich nicht zu ändern scheint.

Also… wohin gingen die Jobs denn? – In den Dienstleistungssektor. Zwischen 1950 und 2002 stieg der Anteil der Arbeiter im Dienstleistungsbereich von 59% auf 82%. In den letzten 50 Jahren hat der Dienstleistungssektor den Arbeitsplatzverlust der Landwirtschaft und der Produktion aufgefangen.

Leider verlangsamt sich diese Entwicklung schnell, seitdem die computergestützte Automatisierung greift. Zwischen 1983 und 1993 reduzierten die Banken ihre Mitarbeiterschaft um 37% und 2000 verwendeten 90% der Bankkunden Bankautomaten (Retooling Lives, Vision 2000 p. 43). Gewerbliche Telefonisten sind fast ausnahmslos durch Antwortsysteme mit computergenerierter Stimme ersetzt worden, während Kassierer durch computerisierte Läden ersetzt wurden. McDonalds hat nun schon seit Jahren davon geredet, seine Restaurants mit Automaten an der Bestelltheke und automatisierten Küchenwerkzeugen, wie Burgerflippern, in der Hausküche auszustatten. Der Grund, warum sie das noch nicht getan haben, ist wahrscheinlich die Öffentlichkeitswirkung, da sie wissen, wie viele Arbeitsplätze sie streichen würden, wenn sie es tatsächlich täten.

Es gibt keinen Bereich der Dienstleistungsindustrie, der nicht von computerisierter Automatisierung erfasst werden könnte. Tatsächlich ist es so, dass wenn jemand kreativ über die Anwendung der derzeitig existierenden Technologie, die noch nicht im Dienstleistungsbereich angewendet wird, nachdenkt, er sich leicht ausmalen kann, dass praktisch über Nacht die Mehrheit der Arbeitsplätze in der heutigen Dienstleistungsbranche nicht mehr nötig sein könnten. Einfache Beispiele sind: eine Bankangestellte, die nur zur Kundeninformation da ist, Kassierer, Ober und Call Center Agents.

Ökonom Stephen Roach hat gewarnt:

“Der Dienstleistungssektor hat seine Rolle als grenzenloser Jobmotor in der USA verloren.” (Interview, 3/15/94 zitiert in The End of Work (by Jeremy Rifkin), p. 143)

Solange diese Entwicklung anhält, in welchen neuen Sektor können die frisch entlassenen Arbeiter ausweichen? Es gibt keinen … zumindest jetzt noch nicht. Während in der Informationstechnologie viele spezialisierte Aufgabenbereiche entstehen, sind sie nur extrem beschränkt fähig, einen ausreichenden Ausgleich für den großen absehbaren Arbeitsplatzverlust zu bieten. Und während Ökonomen darum kämpfen ein Modell aufzustellen, um mit der fast unaufhaltsamen Arbeitslosigkeit fertig zu werden, von staatlichen Subventionen für Arbeit (Wohlfahrt) bis hin zu neuzeitlichen Gedanken wie einer “negativen Einkommenssteuer”, wehren sich die meisten dagegen zu bedenken, was wirklich benötigt wird um das totale Chaos auf diesem Planeten zu verhindern. Die Lösung liegt nicht im Versuch, die aufkommenden Probleme zu “flicken”, sondern darin, dass wir uns dieses Systems in seiner Ganzheit entledigen … da das monetäre Tauschsystem, zusammen mit dem Kapitalismus nun im Zuge der technologischen Neuerungen vollkommen überholt ist.

Zusammenfassung von Kapitel 2

Das monetäre System dieser Welt ist nichts anderes als ein Spiel. Es hat kaum eine Basis in der Realität. Es entstand vor Jahrtausenden, als Ressourcenknappheit noch ein alltägliches Problem war. Die Menschen brauchten damals einen Weg um die Waren und Dienste zu verteilen und dabei für jene einen Ausgleich zu schaffen, die für die Bereitstellung gearbeitet hatten. Das geldbasierte Arbeitssystem gehört nun schon so lange zu unserer Gesellschaft, dass sich die meisten Menschen sich kein Leben ohne es vorstellen können. Ungeachtet dessen hat der Mechanismus des Systems, sowohl strukturell als auch psychologisch, dramatische Probleme in der Gesellschaft hervorgerufen, von Finanzkriminalität und emotionaler Verwerfung, bis zum Missbrauch und zur Ausbeutung des Planeten und seiner Mitmenschen im großen Stil. Die Welt von heute ist eigentlich nur eine Reihe genossenschaftlicher Mafias. Ein Unterschied zwischen organisiertem Verbrechen und traditionellem Geschäft ist praktisch nicht existent. Währenddessen steht die ganze Welt im Konflikt mit sich selbst, mit Einzelnen, mit Geschäften und Ländern, die fortwährend verteidigen wollen, was sie haben und immer daran arbeiten, mehr zu bekommen, oft mittels Zwang und Korruption. Währenddessen stehen alle Staaten mit aberwitzigen Beträgen bei sich selbst in Schulden und die Integrität der Finanzwelt steht wegen ihrer Mängel selbst kurz vor dem Kollaps.

Doch außer diesen Punkten gibt es eine weit mächtigere, unvorhergesehene Kraft, die den Niedergang des Wirtschaftssystems garantiert, und sie kommt in Form der technologischen Arbeitslosigkeit. Menschen werden immer schneller durch fortschrittliche, automatisierte Technologien ersetzt, was zu einer Katastrophe ungekannten Ausmaßes führen wird, da die Menschen ohne Arbeit die Wirtschaft mit ihren Einkäufen nicht unterstützen können. Diese Tatsache ist der letzte Hinweis darauf, dass das derzeitige System veraltet ist, und wenn wir erst Unruhen in den Straßen und Armut von nie da gewesenem Ausmaß haben, werden wir unsere traditionelle Idee davon, wie eine Gesellschaft funktioniert, fundamental überdenken müssen.

weiter zum Kapitel 3: Was ist relevant?

SOURCE: TZM – RBE (Stand: 27.10.2011)

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