Ressourcenbasierte Wirtschaft – Kapitel 1: Geldwirtschaft

Mechanismen und Folgerungen

Begriffsbestimmungen:

Der Ausdruck “Ökonomie” wird allgemein definiert als die Sozialwissenschaft, welche sich mit der Herstellung, der Verteilung und dem Konsum von Gütern und Dienstleistungen befasst.

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts ist der vorherrschende Antrieb praktisch aller ökonomischen Systeme weltweit ein “monetäres System”, welches als allgemein gültiges Tauschmittel ein Medium, bekannt als “Geld”, verwendet und damit Beschäftigung in Form von Arbeit, die Verteilung von Gütern und Dienstleistungen und deren Konsum ermöglicht. Die Verwendung dieser Art des Geldaustausches als Grundlage eines Wirtschaftssystems könnte man als “Monetäre Ökonomie” bezeichnen.

Auch wenn fast keine Nation auf dieser Erde zurzeit etwas anderes als die monetäre Wirtschaftstheorie in ihren Staatsgeschäften anwendet, so sind einige Unterschiede festzustellen. Im Allgemeinen haben diese Variationen etwas mit dem Grad zu tun, mit dem das System von der Regierung kontrolliert wird. Die Staffelung, die sich derzeit zwischen eher mehr und eher weniger Regulierungen bewegt, beginnt typischerweise beim “Kommunismus” hier in seiner historischen Anwendung, nicht in der idealisierten Form, welche kein Geld vorsieht (maximale staatliche Kontrolle), führt über den “Sozialismus” (teilweise staatliche Kontrolle) und endet beim “Kapitalismus” (wenig bis keine staatliche Kontrolle). Diese Spielarten wirtschaftlichen Handelns können als “Gesellschaftsformen” bezeichnet werden.

Die vorherrschende Gesellschaftsform in der heutigen Welt ist der Kapitalismus, meist in Form der freien Marktwirtschaft. Dieser wird definiert als “Wirtschaftssystem, in welchem die Produktionsmittel von Privatpersonen profitorientiert betrieben werden, wobei Investitionen, Güterverteilung, Einkommen, Herstellung und Preisgestaltung bei Gütern und Dienstleistungen vorwiegend durch einen ‘freien Markt’ bestimmt werden.

Ein “Freier Markt” ist im Wesentlichen ein unreguliertes Handelsprinzip, in dem “die Preise von Gütern und Dienstleistungen vollständig in gegenseitigem Einvernehmen zwischen Verkäufern und Käufern festgelegt werden; damit bestimmt das Gesetz von Angebot und Nachfrage die Preise und die Verteilung der verfügbaren Mittel, ohne dass eine Regierung eingreifen muss.”

Die Idee vom “Freien Markt” wird vielfältig interpretiert. Es gibt diverse Denkschulen, etwa die “Österreichische Schule”, eine der extremeren der momentan vertretenen Ideologien, welche eine “laissez-faire”-Einstellung duldet, das heißt im Grunde buchstäblich überhaupt keine Staatseingriffe in wirtschaftliche Belange. Aus dieser Sicht werden “Wohlfahrt” und andere staatlich finanzierten ‘sozialen’ Programme als unsachgemäß angesehen. Bei der Entwicklung, Anwendung und Auslegung von Wirtschaftswissenschaften hat man es mit erstaunlich großen Mengen an Material zu tun, über die endlos debattiert wird. Es ist nicht im Sinne dieses Leitfadens, eine Abhandlung über die gesamte Ökonomie zu liefern. Vielmehr möchte diese Anleitung zeigen, inwiefern heute 99% aller Wirtschaftstheorien durch die Einführung von neuer Technologie und die Ausmerzung von Knappheit veraltet und gegenstandslos gemacht werden könnten.

Neben allgemeinen Fachausdrücken gibt es als weiteres wichtiges Konzept der Geldwirtschaft die “Werttheorie”. Die Höhe des ‘Werts’ eines Produkts oder einer Dienstleistung wird im Prinzip aus zwei Faktoren abgeleitet: Es gibt noch subjektive, bevölkerungsspezifische Arten von Wert, bei denen bestimmte “Marken” die Preisbildung beeinflussen, (geplanter Wert) und dabei nicht auf konkreter menschlicher Arbeit bzw. Materialwert beruhen, sondern auf der von der Konsumkultur empfundenen “Ranghöhe” des Gegenstands selbst. Dies ist eine weniger wichtige Form “wirtschaftlichen Werts”, der im Abschnitt “Wertverzerrung” weiter hinten im Kapitel behandelt wird. Genauso sind Finanzinstrumente als Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden, irrelevant, wenn es um tatsächliche Produktion und Verteilung geht:

1) Die Knappheit (Verfügbarkeit) der verwendeten Materialien.

2) Der Aufwand an menschlicher Arbeit, welcher benötigt wird, ein Produkt /eine Dienstleistung herzustellen.

Ein Beispiel:

Man stelle sich den Umfang an Zeit und Kraft vor, den es brauchte, ein einfaches Hemd vor dem Aufkommen von Elektrizität und fortgeschrittener industrieller Technologie herzustellen. Der grobe Vorgang sieht wie folgt aus:
den Boden vorbereiten — den Baumwollsamen einpflanzen — das Wachstum beaufsichtigen — die Baumwolle pflücken — den Samen herausziehen — die Baumwolle zu Fäden verspinnen — Tuch daraus weben — das Tuch in Hemdform bringen.

Setzt man das obige Szenario voraus, ergibt sich rein aus der Perspektive menschlicher Arbeit ein verhältnismäßig hoher Wert für das Hemd und es würde, in Anbetracht des erheblichen Aufwands für einen hohen Preis verkauft werden. Der Wert des Baumwollsamens (Materialkomponente) wäre vernachlässigbar, da der Samen als Nebenprodukt der vorangegangenen Ernte abfiel, und das würde seinen Knappheitswert ziemlich drücken. Folglich stammt der wahre Wert des Hemds aus der damit verbundenen Arbeit.

Was wäre nun, theoretisch betrachtet, wenn der Herstellungsvorgang überhaupt keine menschliche Arbeit erforderte, während Baumwollsamen, Wasser, Sonnenlicht und Boden in natürlichem Überfluss vorhanden blieben? Was wäre dann der Wert des Hemds? Ganz offensichtlich hätte es überhaupt keinen Wert.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben Industriemaschinen die Rolle von Pflanzern und Erntern landwirtschaftlicher Produkte so effektiv übernommen, dass ein einziger Bauer mehr als 1000 Morgen Land ohne Hilfe bestellen konnte. Das Aufkommen von Textilmaschinen wie dem Baumwollentkerner hat den menschlichen Arbeitsaufwand dramatisch reduziert, während wir durch die moderne Anwendung industrieller Computerisierung eine ständige Bewegung hin zur Vollautomatisierung von sowohl der Landwirtschafts- als auch der Textilindustrien beobachten.
Tatsache ist, dass die Position des “Wirtschaftswerts” als scheinbar fester ökonomischer Begriff vom technologischen Einfluss (zunehmende Produktionserleichterung und stoffliche Fülle) ausgehöhlt wird, was den “Wert”-Gedanken potenziell völlig auslöschen könnte.

Wenn menschliche Arbeit durch Technologie und Automatisierung zurückgefahren oder ersetzt wird, sinkt entsprechend auch der ‘Wert’, welcher aus der Arbeit-Preis-Gleichung abgeleitet wird. Der Wertbezug des Produkts würde dann von der Erschaffung und dem Unterhalt der Maschinerie abgeleitet werden, welche die Rolle des Arbeiters übernimmt. Folglich würde der ‘Wert’ der Produktion sinken, je effizienter, ausdauernder und nachhaltiger diese Arbeitermaschinen werden.

Die Erkenntnis daraus ist, dass maschinelle Automatisierung gekoppelt mit modernen Innovationen zur Ersetzung “knapper” Ressourcen, uns in eine Lage versetzen könnte, in der kein Gut und keine Dienstleistung mehr einen “Wert” oder ein Preisschild bräuchten. Es würde gedanklich keinen Sinn ergeben.

Viele werden sich wegen unserer Gewohnheiten schwer tun, so etwas in Betracht zu ziehen. Unabhängig von Meinungen bleibt die Tatsache, dass ständiger technologischer Fortschritt gekoppelt mit automatisierten Maschinen theoretisch eine Wirtschaftsumgebung erschaffen könnte, in der der Überschuss an Materialien und Produktionsmedien so hoch wäre, dass die meisten Menschen kaum Bedarf am ‘Erwerb’ von irgendetwas hätten, ganz zu schweigen vom ‘Broterwerb’ in herkömmlichem Sinne. Selbst wenn Maschinen nur eine große Minderheit an Leuten ersetzen würden, so dass die Arbeitslosigkeit stiege, wären die Folgen gravierend. Das gesamte Wirtschaftsgefüge würde zunehmend instabiler und funktionsunfähiger werden. Das Thema begegnet uns in den Kapiteln 2 und 5 wieder.

Ungeachtet dieses Punkts sollten wir noch einige empirische Mechanismen untersuchen, die die Geldwirtschaft speziell im Zusammenhang mit dem Kapitalismus braucht, um die Integrität des Systems zu wahren. In den restlichen Teilen des Kapitels werden wir die fünf Hauptmerkmale, welche zur Aufrechterhaltung des Systems gebraucht werden, die Logik dahinter und deren Konsequenzen erörtern.

Mechanismus Eins

Die Notwendigkeit für zyklischen Konsum

Menschen haben in einem Geldsystem im Wesentlichen eine von drei Rollen inne:
Arbeitnehmer, Konsument oder Arbeitgeber(oder Eigner/Produzent). Es gibt außerdem noch den Investor, der dem Arbeitgeber/Eigner/Produzent finanzielle Unterstützung gewährt, oder der an den Finanzmärkten nach Gewinnen trachtet. Dies ist für den Zusammenhang unwichtig, da Investoren für die Funktionsfähigkeit eines Marktsystems nicht nötig sind.

Der Arbeitnehmer erfüllt für den Arbeitgeber im Tausch für “Lohn” oder Geldzahlungen Aufgaben, während der Arbeitgeber dem Konsumenten ein Gut oder eine Dienstleistung für “Profit” verkauft, welcher eine andere Art von Geldzahlung ist.

Wiederum fungieren sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer als Konsumenten, da sie die jeweils erhaltenen Geldzahlungen (“Löhne” und “Profite”) für den Erwerb von Gütern und Dienstleistungen verwenden, die sie für ihr Überleben brauchen.

Der Akt des Erwerbs von Gütern und Dienstleistungen, welcher zur Rolle des Konsumenten gehört, erlaubt dem Arbeitgeber, seinen “Profit” zu machen und außerdem die Bezahlung der “Löhne” des Arbeitnehmers.

Abbildung: Geldzirkulation im Konsumkreislauf

In anderen Worten bedarf es unaufhörlichen Konsums, damit der Arbeitgeber im Geschäft bleibt und der Arbeitnehmer seinen Job behält.

Es ist nun wichtig zu verstehen, dass dieser Zahlungs- und Konsumkreislauf (oder ‘zyklische Konsum’) nicht enden darf, da sonst das gesamte Gebilde der Ökonomie zusammenbrechen würde. Denn es würde kein Geld zum Arbeitgeber fließen, der Arbeitgeber könnte es sich nicht leisten, den Arbeitnehmer zu bezahlen, und sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer wären nicht in der Lage, als Konsumenten den Kreis zu schließen.

Auswirkung:

1 – Kein technisch hergestelltes Produkt darf eine längere Lebensdauer besitzen, als es braucht, die Unversehrtheit der Wirtschaft durch ‘zyklischen Konsum’ zu erhalten.
Anders gesagt muss jedes ‘Gut’ in angemessener Zeit kaputtgehen, damit die Geldzirkulation zur Versorgung der Teilnehmer an diesem Spiel (Konsument/Arbeitnehmer/Arbeitgeber) gewährt bleibt. Dieser Sachverhalt könnte mit “Geplante Überalterung” umrissen werden.
Geplante Überalterung kann grundsätzlich aus zwei Haltungen heraus geschehen:

Bewusst: Vorsätzliches Zurückhalten von Effizienz, damit das fragliche Produkt versagt.

Logisch: Profitbedingte Kürzungen bei der Produktion, üblicherweise in Form billiger Materialien /schlechten Designs, um Geld zu sparen und wiederkehrende Kunden zu verursachen. Das führt zu minderwertigen Produkten.
Zum Beispiel ist Plastik für Gehäuse von elektronischen Geräten billiger für den Hersteller und den Konsumenten, aber die Haltbarkeit des Materials ist im Vergleich etwa zum wesentlich teureren Titan schlecht.

2 – Es müssen unabhängig vom Gebrauchsnutzen konstant neue Produkte und Dienstleistungen eingeführt werden, um jegliche gesteigerte Effizienz der vorigen Produktgeneration auszugleichen. Das führt zu endloser Vergeudung.

Anders ausgedrückt ist Vergeudung ein vorsätzliches Nebenerzeugnis des Bedarfs der Industrie nach der Aufrechterhaltung des ‘zyklischen Konsums’. Das bedeutet, dass das veraltete Produkt ausgesondert wird, häufig auf Müllhalden landet und somit die Umwelt verschmutzt. Die beständige Vielfalt beschleunigt die Verschmutzung.

‘Die Notwendigkeit zyklischen Konsums’, welche man als den Motor betrachten könnte, der das gesamte Wirtschaftssystem antreibt, ist in sich gefährlich und verdorben, denn die Natur dieses Zwangs lässt eine Maximierung umweltverträglicher Praktiken nicht zu. Die dauernde Neuerschaffung minderwertiger Produkte verschwendet die verfügbaren Ressourcen und verschmutzt die Umwelt.

Um es noch einmal aus einem anderem Blickwinkel zu betrachten: Stell dir die wirtschaftlichen Auswirkungen strategisch maximierter Effizienz und Nachhaltigkeit jedes Designs unter Verwendung der jeweils besten uns bekannten Materialien und verfügbaren Techniken vor. Stell dir ein Auto vor, das so gut konstruiert wurde, dass es über 100 Jahre keine Wartung braucht. Stell dir ein Haus vor, das aus feuerfesten Stoffen gebaut wurde und in dem alle Einrichtungsgegenstände, elektrischen Geräte, Armaturen etc. aus den wasserdichtesten, beständigsten Rohstoffen der Erde bestehen. In solch einer vernünftigen Welt, in der Dinge geschaffen werden, um zu halten (womit mangels Vervielfältigung und dank höchster Effizienz auch gleich Verschmutzung und Verschwendung minimiert würden), wäre ein monetäres System unmöglich. Denn die Intervalle im ‘Konsumkreislauf’ würde sich enorm in die Länge ziehen und das sogenannte “Wirtschaftswachstum” dauerhaft schwächen.

Mechanismus Zwei

Der Überfluss an Knappheit

In der Geldwirtschaft ist der Begriff von “Angebot und Nachfrage” ein bekanntes Konstrukt, welches lediglich besagt, dass ‘je mehr es von etwas gibt, desto weniger es wert ist’. Zum Beispiel war Trinkwasser historisch gesehen eine in Fülle vorkommende Ressource, die zu verbrauchen normalerweise keine Bezahlung erforderte. Als jedoch Natur- und Leitungswasser zunehmend verschmutzten, konnte gereinigtes Trinkwasser kommerziell umgesetzt werden, oft zu einem höheren Preis als Öl. Mit anderen Worten ist es profitabel, wenn Ressourcen verknappen. Wenn ein Betrieb die Öffentlichkeit überzeugen kann, dass sein Produkt “rar” ist, kann er mehr dafür verlangen. Das bietet starke Anreize dafür, seine Produkte knapp zu halten. Die Zentralbanken fast aller Länder, um das auch auf einer anderen Ebene nochmals zu verdeutlichen, schaffen im Zuge der Geldschöpfung Knappheit, um den Druck auf das Marktsystem aufrecht zu erhalten. Bernard Lietaer, der für die Schaffung des Europäischen Währungssystems (ECU) verantwortlich zeichnet, hebt hervor:

“Gier und Wettbewerb sind nicht das Ergebnis eines unabänderlichen menschlichen Temperaments… Gier und die Angst vor Knappheit werden in Wirklichkeit als direkte Folgen des von uns verwendeten Geldes hervorgerufen und verstärkt… Wir könnten mehr Nahrungsmittel herstellen, um jeden satt zu machen… aber es gibt eindeutig nicht genug Geld, um all das zu bezahlen. Die Knappheit liegt in unseren Nationalwährungen begründet. Es ist tatsächlich die Aufgabe der Zentralbanken, diese Währungsknappheit zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Als direkte Folge daraus müssen wir gegen einander ums Überleben kämpfen.” (Lietaer, Bernard “Beyond Greed and Scarcity”, Yes Magazine, 1997)

Die Auswirkungen dieses Überflusses an Knappheit richten nichts anderes als Schaden an. Wenn Profit aus der Knappheit gewonnen werden kann, welche durch Umweltverschmutzung entsteht, dann schafft dies eine krankhafte Verstärkung der Gleichgültigkeit gegenüber Umweltbelange. Wenn Unternehmen wissen, dass sie mehr Geld machen können, indem sie ihre Ressourcen oder Produkte knapp halten, wie soll dann je eine Welt des Überflusses entstehen? Das ist unmöglich, denn die Unternehmen werden daran interessiert sein, falls nötig Knappheit zu erzeugen. Die mit der Geldschöpfung der Zentralbanken geschaffene inhärente Knappheit verstärkt wiederum den Anreiz, gegen einander in Wettbewerb zu treten, was einen ethikfreien, primitiven Tribalismus hervorbringt, in dem jeder auf sich selbst gestellt ist und der bei den Menschen Stress, Konflikte und Krankheit verursacht.

Mechanismus Drei

Der Vorrang von Profit

Der stärkste Antrieb eines Geldsystems ist Profit: Der Ausdruck ‘Profit’ wird hier der Einfachheit halber synonym zu ‘Einkommen’ und ‘Lohn’ benutzt. Sind diese Begriffe nach der klassischen Auffassung von Wirtschaft auch getrennt zu sehen, so beziehen sie sich dennoch lediglich auf den Gelderwerb. Der Lohnempfänger ‘profitiert’ von seiner Arbeit, da es sich ganz einfach um Einkommen handelt. Oder um Gelderwerb durch die Ausbeutung anderer. Alle Spieler in diesem Spiel müssen fürs Überleben eine Strategie zur Einkommensbeschaffung finden. Ein “Lohn”-Empfänger wählt die bestmögliche Bezahlung für seine Dienste, während der Arbeitgeber (Eigner / Hersteller) ständig versucht die Kosten zu drücken, um den Profit zu maximieren. Das ist die herrschende “Geisteshaltung” im Geldsystem. Und jene, die sich in einer Position großen Wohlstands befinden (materieller Erfolg), sind häufig die Rücksichtslosesten. Während viele Leute, die dem Profitsystem huldigen, ohne Unterlass über ihre “ethischen” Handlungsnormen reden, hat die Geschichte gezeigt, dass der Vorrang von Profit in Wirklichkeit eine Krankheit ist, welche nicht nur unser persönliches und soziales Wohlgefühl vergiftet, sondern ebenfalls die Umwelt, auf die wir für praktisch alles angewiesen sind, was wir als Gattung benötigen.

Bevor wir jedoch die negativen Folgen dieser ‘Geisteshaltung’ aufführen, sollten wir etwas in Augenschein nehmen, von dem manche denken, es sei die gute Seite der Priorisierung von Profit – “Motivation”.

Der Theorie nach gibt der Zwang zum Profit einer Person oder Organisation den Anreiz, an neuen Ideen bzw. Produkten für den Markt zu arbeiten. Mit anderen Worten: Es wird angenommen, dass ohne den motivierenden Drang zum Überleben und ohne Profit kaum sozialer Fortschritt erreicht werden könnte.

Zunächst einmal erhielten wir die größten Beiträge zur Gesellschaft nicht von nach Profit strebenden Unternehmen. Nikola Tesla hat elektrischen Wechselstrom nicht eingeführt, weil er eine schnelle Mark machen wollte. Louis Pasteur, Charles Darwin, die Wright-Brüder, Albert Einstein und Isaac Newton haben ihre gewaltigen Beiträge zur Gesellschaft nicht aus materiellem Eigeninteresse geleistet. Es stimmt zwar, dass nützliche Erfindungen und Methoden durch den Anreiz persönlichen Gewinns motiviert werden, aber die Absichten hinter diesen Schöpfungen haben üblicherweise nichts zu tun mit menschlichen oder sozialen Angelegenheiten. Denn losgelöstes Eigeninteresse und Überleben sind die wahren Motivationen.

Profitinteresse kommt fast immer vor menschlichen Belangen, und ein einfacher Blick auf die krebserzeugenden Konservierungsstoffe in unserer Nahrung, die geplante Überalterung fast aller Güter oder auch die Gesundheitsindustrie, die $300 für eine einzige Antibiotika-Tablette verlangt, zeigt, dass ‘Profitanreize’ in Wirklichkeit schädlich sind, denn der Anreiz hier ist nicht ein bedeutsamer Beitrag zur Gesellschaft, sondern lediglich das Absaugen von Reichtum auf jede nur mögliche Weise. Profit ist tatsächlich ein falscher Anreiz. Die Probleme unserer geldbasierten Gesellschaft werden nur angegangen, wenn man Profit aus der Lösung solcher Probleme ziehen kann.

Die psychologischen und soziologischen Auswirkungen, welche aus dem Vorrang von Profit resultieren, nehmen schwerwiegende Dimensionen an, was das menschliche Verhalten anbetrifft. Tatsächlich wurde ein ganzes Gebäude übergestülpter Kontrolle geschaffen, um die unendlichen Probleme zu bewältigen, welche mit dem Zwang zum Überleben mit Hilfe von Gewinn / Profit / Einkommen zusammenhängen: das Rechtssystem. Während nicht-geldbezogene Verbrechen, die oft von Stolz, Eifersucht, Emotionsverlust und anderen psychologischen Ursachen herrühren, gegenwärtig ein Problem darstellen, sind sie doch vergleichsweise nichtig gegenüber Verbrechen, welche von Geld- und Besitzerwerb motiviert werden. Wenn wir “Kriminalität” als “Verderbtheit, Korruption” definieren, und “Korruption” als “moralische Perversion; Unehrlichkeit”, dann gelangen wir zu einer ganz neuen Sicht auf die Dinge. Denn wenn man genauer hinsieht, wird man bemerken, dass praktischer jeder Vorgang strategischen Geldzuwachses in sich korrupt ist… es wird eben lediglich kulturell als ‘normal’ akzeptiert, bis zu welchem Grad auch immer der Konsens es als hinnehmbar ansieht.

Wenn man z.B. in ein Lebensmittelgeschäft geht, um Müsli zu kaufen, wird man bei neun von zehn Schachteln feststellen, dass nur 60% der Box gefüllt sind. Die ‘Werbestrategie’, wie die Herstellerfirma es nennen würde, ist in Wirklichkeit eine offenkundige, Verschwendung erzeugende Lüge. Die Werbeagenturen mit all ihren Taktiken sozialer Beeinflussung gehören wahrscheinlich zu den korruptesten Einrichtungen des Planeten. Traurigerweise sind wir konditioniert worden, es stattdessen ‘Promotion’ oder ‘Strategie’ zu nennen. Über die durch Werbung geschaffenen sozialen Entstellungen wird im Abschnitt “Wertverzerrungen” dieses Kapitels die Rede sein.

Um nun das Spektrum geldbedingter Korruption in einen vernünftigen Blickwinkel zu setzen, werden wir dieses anomale Verhalten in drei Teile gliedern: Gewöhnliche Kriminalität – Unternehmenskriminalität – Regierungskriminalität.
Gewöhnliche Kriminalität, abgeleitet vom Streben nach Geld, reichen von einfachem Diebstahl über Schwarzverkäufe und Betrug bis zum gewalttätigen Raub. Dieses Nebenerzeugnis des Geldsystems wird oft nicht genug hinsichtlich seiner Ursachen reflektiert, denn viele neigen dazu, diese “Kriminellen” als eine Art gesellschaftlicher Anomalie abzutun, statt sie mit dem Überlebensdrang in Verbindung zu bringen. Druck /Stress und andere inhärente Nebeneffekte des Mangels werden ebenfalls übersehen.

Die ‘Merva-Fowles’ Studie der Universität von Utah aus dem Jahr 1990 hat starke Verbindungen zwischen Arbeitslosigkeit und Kriminalität entdeckt. Sie stützt ihre Forschung auf Daten aus 30 großen Ballungsräumen mit einer Gesamtbevölkerung von über 80 Millionen Menschen.

Ihre Forschungsergebnisse besagen, dass als Folge eines einprozentigen Anstiegs der Arbeitslosigkeit…

… 6,7% mehr Tötungsdelikte geschehen;

… 3,4% mehr Gewaltverbrechen begangen werden;

… 2,4% mehr Eigentumsdelikte auftreten.

Auf die Zeit von 1990 bis 1992 übertragen heißt das:

– 1459 zusätzliche Tötungsdelikte;

– 62.607 zusätzliche Gewaltverbrechen;

– 223.500 zusätzliche Eigentumsdelikte. Merva & Fowles, Effects of Diminished Economic Opportunities on Social Stress, Economic Policy Institute, 1992

Wenn man eine gutsituierte, ethische, aufrechte Person nähme, sie ihres Wohlstands und ihrer Ressourcen beraubte und mit nichts als ihrem Hemd am Leib in einer armen Stadt absetzte, wäre die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Person zu lügen, betrügen und stehlen anfinge, um zu überleben.

Es verwundert nicht, dass die ärmsten Gegenden der USA die höchsten Kriminalitätsraten aufweisen. Jemand, der in eine sozial benachteiligte Umgebung geboren wird, mit nur mageren Ressourcen, schlechter Ausbildung und wenig Arbeitsmöglichkeiten, wird tun, was immer zum Leben nötig ist. Der springende Punkt ist hier, dass ökonomische Verderbtheit (Mangel) anstatt genetische “kriminelle Tendenzen” jene Art Fehlverhalten erzeugen.

Unternehmenskriminalität, welche fast immer ausschließlich profitbezogen ist, nimmt viele Formen an: Geplante Überalterung, Marktmanipulation, Produktionsverlagerung, Preisabsprachen, monopolistische Absprachen, Arbeiterausbeutung und geheimes Einverständnis mit der Regierung, um nur ein paar zu erwähnen. Beispiele wie Enrons vorsätzliche Abschaltung der kalifornischen Kraftwerke zur Preissteigerung der Energieaktien, oder Bayer, die bewusst HIV-verunreinigte Medikamente vertrieben haben, sollten den meisten Leuten klarmachen, dass Unternehmenskriminalität eine feste Größe ist, oft viel heimtückischer als “Gewöhnliche Kriminalität”, denn die Nachwirkungen betreffen eher große Gruppen von Menschen.

Das Bedürfnis des “kriminellen Unternehmers”, seine Geschäftsprofite zu sichern, ist grundsätzlich nicht andere als der Überlebenstrieb des “Gewöhnlichen Kriminellen”. Während letztere Delikte üblicherweise begehen, um am Leben zu bleiben, geht es ersterem um die künftige Sicherung seiner Machtstellung, seines Lebensstils und Wohlstands. Die Grundlage ist Angst. Die Neigung zur “Gier”, welche auf einer ständigen Angst vor dem Verlust des Besitzes basiert, ist die Motivation für die meisten Unternehmensdelikte. Wie bei Spielsucht: Je mehr man gewinnt, desto mehr möchte man haben. Die Neurose wird durch die durch das Geldsystem erzeugte soziale Schichtung aufrecht erhalten und verstärkt. Denn ein nicht endender Strom von “Luxusartikeln” wird bei Anstieg der Kaufkraft greifbar: Villen, Jachten, Limos, Diamanten, Grundstücke usw. Wir gehen im nächsten Abschnitt (“Wertverzerrung”) näher darauf ein.

Regierungskriminalität ist eine der wesentlichen komplexeren und schwierigeren Verhaltensformen. Denn der Regierungsbegriff wird von den vorherrschenden Werten stark verändert, welche die “herrschenden Klasse” durch die Gesellschaft und über Massenmedien und traditionellen “Hurra”-Patriotismus aufrechterhält. Anders ausgedrückt: Wenn wir auf die Gräuel Hitlers zurückblicken, vergessen viele, dass auch eine Menge Deutsche jenes antisemitische Wertesystem verteidigt haben, welches das Regime durch Streitschriften und Rundfunk verbreitete. Dasselbe kann man über die US-Invasion im Irak sagen, die ursprünglich durch die öffentliche Meinung unterstützt worden ist – aus Hass und Angst gegenüber sogenannten “islamischen Terroristen” nach den Angriffen vom 11. September 2001. Nichtsdestoweniger sollten wir unsere überlieferten Werte der Untertanentreue und des “Patriotismus” zurückstellen, um einen objektiven Blick auf das Wesen und die Rolle einer Regierung in einem Geldsystem zu werfen.

Zunächst einmal muss allen Regierungsmitgliedern ein Entgelt gezahlt werden, und alle unternommenen Projekte müssen finanziert werden. Dieses Geld kommt augenscheinlich von der Öffentlichkeit auferlegten “Steuern”, oder von Bankkrediten oder anderen Regierungen. Steuern werden durch den ‘Handel’ oder ‘Einkommen aus dem Handel’ erbracht, während Kredite mit Geld zurückgezahlt werden müssen, was theoretisch durch weiteren Handel, weitere Kredite oder weitere Steuern irgendwie herbeigeschafft wird.

Die zentrale Rolle der Regierung ist die Erfindung regulativer Gesetzgebung, mit der das Funktionieren der Gesellschaft gewährleistet werden soll. Im Idealfall hätte die breite Beteiligung der Öffentlichkeit oberste Priorität für die Regierung. Unglücklicherweise hat die Geschichte gezeigt, dass dies selten der Fall war und ist. Im Gegenteil sind Regierungen, so wie wir sie kennen, ‘Eltern’-Unternehmen für all die anderen Unternehmen der Wirtschaft des Landes. Das macht natürlich Sinn, denn der Wert einer Nation wird über den Zustand seiner Ökonomie bestimmt. Das heißt, die Regierung hat ein “begründetes Interesse” an der nationalen wirtschaftlichen Verfassung, insbesondere Interesse an jenen, die der eigenen Klasse angehören – der reichen Oberschicht.
“Begründetes Interesse” bzw. eine Person oder Gruppe, die durch Regierungsentscheidungen etwas zu gewinnen oder verlieren hat, bewegt sich nicht auf einer Einbahnstraße. Ein Politiker kann Geld-’Spenden’ von einem Unternehmen erhalten, das er mit seinen Regulierungen bevorzugt, während der Betrieb wiederum Profit aus den für ihn vorteilhaften Regeln zieht. Für Lobbyarbeit und Spenden fließen in den USA [wie auch bei uns] jedes Jahr Milliarden Dollar, und dieses Geld wird gänzlich unter dem Vorbehalt überreicht, dass damit die Vorstellungen der Geldgeber “umgesetzt werden”.

Während es zahlreiche Beispiele für geheime Absprachen zwischen Regierungen und Unternehmen gibt, von der Genehmigung ungeprüfter Pharmazeutika durch die FDA (Food and Drug Administration – Lebensmittel und Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten) bis zum Erfolg der Öl-Lobby, das kalifornische Gesetz über die Reduzierung von Emissionen zu kippen, was saubere elektrische Autos auf eine Außenseiterposition verdrängte, ist das größte aus Geldinteresse begangene Regierungsverbrechen Kriegstreiberei zum Nutzen der unternehmerischen und finanziellen Auftraggeber.

In den Worten des zweifachen Trägers der Ehrenmedaille des Kongresses, Generalmajor Smedley D. Butler:

“Krieg ist eine Betrügerei, und er war es immer. Es ist wahrscheinlich die älteste, einfach die profitabelste und sicherlich die bösartigste Form einer Betrügerei. Es ist die einzige in internationalem Maßstab. Die einzige, in der die Profite in Dollar und die Verluste in Leben abgerechnet werden. Ich denke, eine Betrügerei lässt sich am besten als etwas beschreiben, das nicht das ist, was es für die Mehrheit der Leute zu sein scheint. Nur eine kleine Gruppe “Insider” weiß, worum es geht. Sie wird zum Vorteil einiger Weniger und auf Kosten der Mehrheit betrieben. Im Krieg gewinnen wenige Leute großen Reichtum…

Im 1. Weltkrieg fuhr eine bloße Handvoll von ihnen die Profite des Konflikts ein. Wenigstens 21.000 neue Millionäre und Milliardäre wurden in den Vereinigten Staaten während des 1. Weltkriegs gemacht… Der 65. Kongress berichtete über Unternehmensgewinne und Staatseinkünfte. Berücksichtigt wurden die Profite von 122 Fleischverpackern, 153 Baumwollherstellern, 299 Kleidungsherstellern, 49 Stahlwerken und 340 Kohleproduzenten während des Krieges. Gewinne unter 25% waren die Ausnahme. Die Kohleproduzenten zum Beispiel machten während des Krieges zwischen 100 und 7856% ihres Kapitalstands gut. Die Verpacker in Chicago verdoppelten und verdreifachten ihre Einkünfte.

Und lasst uns auch nicht die Banker vergessen, die den Großen Krieg finanziert haben. Wenn jemand die Sahne aller Profite hatte, dann waren es die Banker. Da es sich eher um Partnerschaften als körperschaftliche Organisationen handelt, sind sie keinen Aktionären Rechenschaft schuldig. Ihre Gewinne waren so geheim wie immens. Wie die Banker ihre Millionen und Milliarden machten, weiß ich nicht, weil diese kleinen Geheimnisse nie öffentlich bekannt werden. Nicht einmal gegenüber dem prüfenden Auge des Senats.” Butler, Smedley D., War is a Racket, Feral House, 1935, Kapitel 1

Der Zweite Weltkrieg, der in Korea, Vietnam und jetzt Irak und Afghanistan machen da keinen Unterschied: beschleunigter industrieller Ausstoß, militärische Verträge, Wiederaufbauvereinbarungen, Energie- und Ressourcenbeschaffung (Diebstahl), eine Weltbank, die durch Entbehrungen aufgrund hoher Zinsen betrieben wird, sowie Kredite privater Banken für Nachkriegswirtschaften, ja sogar Drogenhandel durch die CIA (siehe Webb, Gary, Dark Alliance, Seven Story Press, 1999), sind nur ein paar der hochprofitablen Mittel.

Es gibt einen dreifachen Anreiz zur Kriegführung:
1) Gewerblicher Profit, maximiert für eine Elite,
2) Ressourcenerwerb (Diebstahl),
3) Geopolitische Repositionierung, um gewerblichen Profit und Ressourcendiebstahl weiter zu erleichtern.

Dies ist eines der größten Übel, welches durch die Gier nach Reichtum und Macht verursacht wird. Die Regierung ist mit ihrem Team an gehirngewaschenen Attentätern in die äußerste Form der Selbsterhaltung verstrickt, und solange alle Ressourcen der Welt im Interesse einiger weniger “gehortet” bleiben, werden sich die Muster des Kriegs wiederholen.

Nun, die obige Gliederung der “Korruption” ist nur eine grobe Einteilung. Abstufungen menschlichen Verhaltens im täglichen Leben werden ebenfalls weitgehend vom Profitmechanismus vergiftet; Unehrlichkeit, von der “Kunst der Gesprächsführung”, bei der zwei Geschäftsleute miteinander für das jeweilige Eigeninteresse konkurrieren, dabei innerlich den Anderen gering schätzen, bis zur Zwietracht, die dem Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis innewohnt, bei dem der Eine die Arbeit maximieren will, um den Stundenlohn zu drücken, während der andere seinen Zeitaufwand minimieren möchte, um mehr Einkommen zu bekommen.

Im Endeffekt erzeugt die Priorisierung des Profits eine dualistische ‘wir-gegen-die’-Mentalität, denn im Geldsystem muss es einen Käufer und einen Verkäufer geben; einen Arbeiter und einen Arbeitgeber; einen Auftraggeber und einen Eigner; einen Besitzenden und einen Nichtbesitzenden. Angesichts dieser Wirklichkeit ist jede Partei gezwungen, jene Bedingungen zu schaffen, die für sie am meisten Gewinn erbringen. Daher werden ständig strategische Vorteile gesucht und deshalb wütet eine ohne Unterlass fortwährende Schlacht. Wir sind dauernd gegeneinander im Krieg ums Überleben. Diese Schlacht trägt im Laufe der Zeit nur wenig im Hinblick auf umweltverträglichen menschlichen Fortschritt bei, und die kranke, verschmutzte, entstellte Welt, die du um dich herum siehst, ist das Ergebnis.

Mechanismus Vier

Wertverzerrungen

Unser Glauben und unsere Werte werden von der Kultur geformt. Während es zwar eine genetische Grundlage für bestimmte menschliche Eigenschaften und Verhaltensweisen gibt, ist unser Wissen und die Art, wie wir darüber denken und damit umgehen im Wesentlichen von der Umwelt bestimmt.

Mit Hinblick darauf braucht das monetäre System eine Kommunikationsform, welche die Öffentlichkeit darüber informiert, was ein Unternehmen zum Verkauf anbietet. Diese Kommunikationsform nennt man ‘Werbung’.
Das Merkmal der Werbung ist ‘Reklame’, und Reklame ist eine Kommunikationsform, die, grob gesagt, eine Voreingenommenheit zugunsten des fraglichen Produkts schafft. Mit anderen Worten: Die Aufgabe der Werbung ist Verführung … oder direkter ausgedrückt – den Konsumenten so zu manipulieren, dass er ein Produkt erwirbt. Diese Manipulation nimmt viele Formen an. Eine der wirkungsvollsten ist die Beeinflussung bzw. Ausbeutung der “Werte” der Zuschauer – durch das was er oder sie wichtig finden.

Bevor wir jedoch zum nächsten Schritt übergehen, sollte darauf hingewiesen werden, dass die derzeitigen Muster des Massenkonsums, die wir in den USA und anderswo beobachten, so nicht immer zutrafen. Amerika ist ursprünglich in gewisser Weise auf einer protestantischen Arbeitsmoral gegründet worden, in der Wirtschaftlichkeit und Rücklagen große Werte waren. Trotzdem wurde im frühen 20. Jahrhundert eine gezielte Anstrengung der Wirtschaftsgemeinschaft unternommen, diese Vorstellungen zu verdrehen, um eine neue Armee impulsiver, ständig unzufriedener, statusbewusster Konsumenten zu formen. Werbeagenturen änderten ihre Argumente von einem zweckmäßigen Ansatz hin zu einem solchen, der sich an emotionalen Reizen und Status orientierte. Daher konsumiert der durchschnittliche Amerikaner heute doppelt so viel wie vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.Schor, Juliet, The Overworked American, New York Books, 1991, S. 208

Eine der mächtigsten Formen von ‘Wertmanipulation’ ist die Neuverknüpfung der Persönlichkeit mit einem bestimmten Ideal. Patriotismus und Religion sind klassische Beispiele hierfür, denn durch Indoktrination in jungen Jahren werden Menschen oft auf eine enge persönliche Bindung an ein Land oder eine Religion konditioniert, folglich werden diese die Person so prägen, dass sie die Lehrmeinungen vorbehaltlos unterstützt.

Ein anderes Beispiel dafür ist das Konzept der “Mode”. Moden gibt es in vielen Bereichen, von der Bekleidung, die wir tragen bis hin zu Ideologien, die wir bewahren und weitergeben. Wie erfolgreich die kommerzielle Industrie menschliche Werte zu ihrem Vorteil manipuliert, kann man beispielsweise daran sehen, dass Menschen bestimmte Markenprodukte tragen, im Glauben damit ihren sozialen “Status” oder den “persönlichen Stil” zur Schau zu stellen. Hemden mit der “Tommy Hilfiger” Signatur, echte “Prada” Handtaschen und protzige “Rolex” Armbanduhren sind Beispiele für Produkte, bei denen die Nützlichkeit zugunsten der repräsentativen Bedeutung als Statussymbol in den Hintergrund tritt.

Leider sind sich diese Menschen nicht bewusst, dass sie wandelnde Werbeschilder für die jeweilige Firma sind und nichts weiter.

Der “Status” oder “Stil” existiert in Wirklichkeit nur in den konditionierten Wertvorstellungen dieser Person, und wenn genügend viele Menschen in derselben Weise manipuliert werden, entsteht ein “Trend”, der diese Täuschung durch kollektive Identifikation verstärkt. Diese Trends können so bedeutsam werden, dass diejenigen, die der Modewelle nicht folgen, als Außenseiter betrachtet und von der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

Lassen wir mal die Eitelkeit außer Acht, so müssen auch noch die verzerrten Werte in der Geisteshaltung und Weltanschauung untersuchen. Das ständige Streben nach Eigeninteresse breitet sich wie Krebs in andere psychologische Gebiete aus und erzeugt oder verstärkt Neurosen wie “Habgier”, “Eifersucht” und “Egoismus”.

Habgier ist wahrscheinlich die stärkste Antriebskraft für die Aufrechterhaltung des monetären Systems neben dem nackten Überleben. Die Verschachtelung von Waren und Dienstleistungen (also des Lebensstandards), die für Menschen mit mehr und mehr Kaufkraft zur Verfügung stehen, bewirkt, dass der Mensch erzogen wird, ständig mehr materiellen Wohlstand zu wollen, wobei das “mehr” ins Unendliche geht. Das Ergebnis ist eine Kultur, die keine Vorstellung von Ausgewogenheit hat, geschweige einem Sinn, was “wichtig” oder was “genug” ist. Werbung verstärkt das durch die ständige Vorspiegelung “der Möglichkeiten”, was dazu führt, dass Menschen ihren Selbstwert in Frage stellen, weil sie nicht “die besten Dinge im Leben” besitzen, usw.

Eifersucht scheint sehr früh etabliert zu werden, vielleicht sobald der Lehrer den Schüler lobt, der gute Noten schreibt, während er den schlechten Schüler tadelt, wodurch dieser neidisch auf den guten Schüler wird. Ungeachtet des Ursprungs ist es eine klassische Taktik der Werbung, diese Neurose zu missbrauchen, indem eine Person dargestellt wird, die etwas hast, was du nicht hast, wodurch du das Gefühl bekommst, dass du dieses “etwas” auch brauchst, damit du “gleichwertig” bist. Das ist der Habgier schon sehr nahe, mit der Ausnahme, dass Menschen zunehmend andere verachten für das was sie haben, wodurch soziale Spannungen und Konflikte verursacht werden.

Egoismus wird oft definiert als ‘ein Gefühl der Überlegenheit anderen gegenüber’. Diese Verzerrung tritt grundsätzlich in zwei Formen auf:
1) Ein generelles Überlegenheitsgefühl basierend auf Reichtum oder der Stellung in der gesellschaftlichen Hierarchie
2) Arroganz betreffend dem eigenen kreativen Beitrag, die nach Prestige, Anerkennung oder anderen “Vergütungen” verlangt.

Letzteres scheint für viele fast “natürlich”, weil Menschen es heutzutage lieben, sich ihre Ideen und Erfindungen als Verdienst “anrechnen” zu lassen. Das wird im monetären System gefördert, weil man mit Erfindungen gut Profit machen kann. Diese Tatsache wiederum verstärkt die Neigung eines Menschen für das, was er oder sie tut, Anerkennung zu verlangen, wenn auch nicht immer in finanzieller Form.
Dabei soll klargestellt sein, dass kein Mensch ganz allein etwas erfindet oder erzeugt. Jede Idee, jedes Erzeugnis basiert auf Arbeit, die von früheren Generationen geleistet wurde, auf Einflüssen der Umgebung und/oder Feedback durch andere Experten auf dem Gebiet. Wie Isaac Newton sagte: “Wenn ich weiter gesehen habe, dann nur, weil ich auf den Schultern von Riesen stand.” Newton, Isaac, Letter to Robert Hooke, February 5th 1675 Damit brachte er zum Ausdruck, dass seine Forschung, und daher seine Entdeckungen, nur möglich waren, weil sie auf der Arbeit von vielen anderen großen Wissenschaftlern, die vor ihm lebten, basieren. Sein Ansehen ist daher nicht nur sein eigenes, sondern es betrifft gleichermaßen den ganzen Wissenskörper, den er sich in seiner Ausbildung angeeignet hatte, und auf dessen Basis er seine eigene Arbeit begonnen hatte.
Diese Form von Egoismus hat keine Berechtigung, wenn eine Person versteht, dass ALLE Erfindungen und Erzeugnisse in Wirklichkeit schrittweise entwickelte Kollektivarbeit sind, in der einen oder anderen Weise.

Um auf die erste Definition von Egoismus (“generelles Überlegenheitsgefühl basierend auf Reichtum”) zurückzukommen: Dies ist eine klassenbasierte Gesinnung, die auf einer gewissen Ebene hilft, sich besser zu fühlen, weil man mehr als ein anderer Mensch besitzt. Für eine wohlhabende Person, die eine Straße entlang geht, ist es viel einfacher, einen Obdachlosen wegzuschicken, weil er “nur ein Faulpelz” sei, anstatt in ihm ein Opfer der Kultur zu sehen. Auf einer anderen Ebene verleitet blindes Elitedenken in Form einer Art ‘klassenbasierten Rassismus’ Leute dazu, jene mit weniger Kaufkraft als lediglich “zweitklassig” oder “unwürdig” abzutun, denn der soziale Rang, die Bildung und die Lebensart, welche sich diese Elite leistet, ist für für jene ohne ähnlich große Kaufkraft weitestgehend außer Reichweite, wodurch krasse kulturelle Unterschiede entstehen.
Unsere Werte gründen sich schließlich auf das, was funktioniert und was uns zu einem leichteren, besseren Leben verhilft. Wenn wir in einem System leben, das Wettbewerb, unaufgeklärten Eigennutz, Korruption, Eitelkeit und Überheblichkeit belohnt, dann werden das auch die Werte sein, die in der Gesellschaft ständig aufrechterhalten werden. Obwohl viele Leute Lippenbekenntnisse zu “Aufrichtigkeit”, “Sorge tragen für Andere” und “Bescheidenheit” abgeben, ist leicht ersichtlich, warum diese Qualitäten sich nicht durchsetzen, denn die Überlebensstrategien in der heutigen Gesellschaft unterstützen bzw. verstärken sie nicht.

Mechanismus Fünf

Finanzmanipulationen

Was wir heute als Geld verwenden, wird “fiat” genannt, d.h. sein Wert leitet sich im Wesentlichen aus einem Regierungserlass ab. Mit anderen Worten gibt es nichts, das den Wert der Währung “deckt”, außer vielleicht der Schweiß der Arbeiter, die ihre Dienste für Geld eintauschen. Vor vielen Jahren hatten viele Währungen den ‘Goldstandard’, der eine scheinbar greifbare Grundlage für den Wert eines Geldscheins bildete. Doch das war immer noch komplett willkürlich, denn der Quellwert wurde lediglich auf den Rohstoff namens “Gold” übertragen, der ebenfalls keinen Wert in sich darstellt. Der ‘Wert’ jedes Dings ist abhängig von seiner Knappheit (Angebot) und der Nachfrage, und diese Eigenschaften sind stets im Fluss und daher unbeständig.

Dieser sogenannte Ausgleich von “Angebot und Nachfrage” hat unmittelbare Auswirkungen auf den Geldwert. Wert wird innerhalb des Fiat-Systems daraus abgeleitet, wieviel Geld innerhalb der Ökonomie im Umlauf ist. Wie bei jeder natürlichen Ressource gilt: Je mehr Geld im Umlauf ist, desto weniger ist die einzelne Einheit des Fiat-Geldes wert. Wenn weniger Geld in Umlauf ist, verleiht das jeder Einheit entsprechend mehr Wert. Dieses Phänomen nennen wir allgemein “Inflation” und “Deflation”. Die klassische Definition von Inflation ist ‘steigende Preise’ (Preisinflation), während Deflation ‘fallende Preise’ bedeutet. Aber die primäre Ursache dieser ‘Preisinflation’ und ‘Preisdeflation’ ist das Steigen und Fallen der Geldmenge (Geldinflation). Nebenbei gesagt gibt es noch andere mögliche Ursachen für diese Zustände. Über- oder Unterproduktion kann ebenfalls darauf einwirken. Es kann auch Phasen der Inflation und Deflation zur selben Zeit geben, wenn es z.B. zu einer Systemkrise kommt, die die Geldmenge schneller schrumpfen lässt, als Geld geschaffen und eingebracht werden kann. Sehr einfach: Wenn neues Geld in die Wirtschaft gepumpt wird, ohne auf die derzeitige Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen Rücksicht zu nehmen, werden die Preise in diesem Wirtschaftssystem wahrscheinlich steigen und der Wert des Geldes wird proportional geringer. Das ist eine “inflationäre Erscheinung”. Wenn das neue Geld jedoch schnell zur Schaffung neuer Güter und Dienstleistungen verwendet wird und gleichzeitig eine Nachfrage nach diesen Produkten besteht, kann es mit nur unerheblicher Inflationswirkung in die Wirtschaft eingeführt werden. Wenn z.B. der Markt nach neuen Wohnungen verlangt und die Regierung 1 Mrd. Dollar neuen Geldes in die Wirtschaft injiziert, und all das Geld für die Schaffung dieser neuen Wohnungen verbraucht wird, die dann jemand kauft, sind die inflationären Erscheinungen gering.
Die Erhöhung der in einem Wirtschaftssystem verfügbaren Geldmenge nennt man Geldmengenexpansion, während man eine Verminderung des Geldangebotes Geldmengenkontraktion nennt. Wenn diese beiden Kräfte im Spiel sind, führt dies zu einem zyklischen Trend, der “Expansions- und Kontraktions-Kreislauf” genannt wird oder auch “Wirtschaftskreislauf”, “Konjunktur” oder “Boom und Rezession” (mehr dazu weiter unten). Im Allgemeinen wird die Expansionsperiode für gewöhnlich mit “Wirtschaftswachstum” in Verbindung gebracht, da mehr Geld investiert wird und oft auch Arbeitsplätze geschaffen werden. Umgekehrt wird die Kontraktions-Periode oft Rezession oder Depression genannt, da das Geld zurückgeht und daher weniger Geld investiert werden kann, wodurch Arbeitsplätze und Unternehmen pleite gehen.

Das Konzept “Wirtschaftswachstum” wird üblicherweise definiert mit der “Steigerung der Summe der in einer Volkswirtschaft produzierten Güter und Dienstleistungen in einem bestimmten Zeitraum”. Das Verfahren zur Messung des Bruttoinlandsprodukts, das im Wesentlichen den ‘Ertrag’ den ‘Vorleistungen’ einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum gegenüberstellt, wird für gewöhnlich verwendet, um dieses sogenannte “Wirtschaftswachstum” zu messen.

Bevor es weitergeht, sei angemerkt, dass das gesamte Konzept des Wirtschaftswachstums, wie es herkömmlich aufgefasst wird, hinsichtlich der wahren menschlichen Entwicklung Nonsens ist. Es gibt so etwas wie Wirtschaftswachstum nicht, denn der zugrundeliegende Mechanismus ist fast vollständig auf der Liquidität (Geldmenge) des Systems aufgebaut. Mit anderen Worten: Wenn ich 100 Millionen Dollar fälsche und dir gebe, damit du ein Gewerbe gründest (du weißt nicht, dass das Geld gefälscht ist), und du kaufst und sanierst ein altes Gebäude, heuerst ein Team von Angestellten an und beginnst mit der Produktion eines Guts, das von Leuten gekauft wird, dann würde man darin eine ‘Wirtschaftsexpansion’ sehen. Du hast in Grundbesitz investiert, die Beschäftigungsrate erhöht und neue Produkte geschaffen, die jemand kauft, somit die Geldzirkulation angeregt (den ‘Konsumkreislauf’).
Was wäre nun, wenn man herausfände, dass all dein Geld falsch war und die gesamte Sache gestoppt würde? Das wäre dann eine ‘Kontraktion’ der Wirtschaft, denn das Geld würde dadurch verschwinden; deine Angestellten würden entlassen werden, das Gebäude zwangsvollstreckt und die Produktion eingestellt.

Wenn man obiges Szenario zugrunde legt, muss man fragen: Was war das wirkliche Wachstum? Wenn die Steigerung (Expansion) der Geldmenge die Schaffung von Arbeitsplätzen und Erzeugnissen ermöglicht, während aus der Schrumpfung (Kontraktion) ein Verlust von Arbeitsplätzen und Erzeugnissen entsteht, was genau war dann der springende Punkt?

Um dies besser zu verstehen, müssen wir einen Blick darauf werfen, wie Geld von der Regierung bzw. deren Zentralbank geschöpft und gesteuert wird. Als Beispiel werden wir die Vereinigten Staaten und deren Zentralbank benutzen – die Federal Reserve (Fed).

Wie oben erwähnt ist der Zyklus von Expansion und Kontraktion ein wiederkehrendes Muster, das mit dem Einspeisen von Geld in, und dessen Herausnahme aus dem System zu tun hat. Dieses Muster wird weitgehend von der Federal Reserve mittels Zinssätzen kontrolliert und beeinflusst. Der Zinssatz ist eine Gebühr, die von einem Schuldner für die Verwendung einer gewissen Geldmenge bezahlt wird. Die Gebühr fußt auf prozentualen Anteilen der geliehenen Menge.
Da alles Geld in der US-Wirtschaft und fast jeder anderen Ökonomie in der Welt durch Schulden aus Krediten geschaffen wird (siehe Chicago Federal Reserve, Modern Money Mechanics, 1963), hängt die Geschwindigkeit, mit der Geld entsteht, davon ab, wieviel eine Person an Zinsen zu zahlen bereit ist, um den Kredit zu bekommen. Die Geschäftsbanken richten ihre Zinssätze nach von der Zentralbank vorgegebenen Werten.
In Amerika z.B. ist der “Basiszinssatz” der niedrigste Zinssatz, den Banken ihre kreditwürdigsten Kunden abnehmen. Dieser Tarif richtet sich nach dem “Leitzins”, der von der Federal Reserve festgesetzt wird.
Das Augenmerk dieses Buches liegt zwar nicht darauf, die komplexen, in Fachsprache gehüllten Methoden des Bankensystems auseinanderzunehmen, trotzdem ist es wichtig zu verstehen, dass die Federal Reserve die Macht hat, die Zinssätze aller Banken zu beeinflussen. Dies bedeutet nämlich in die Macht, die Menge des verliehenen Geldes zu steuern, und damit die zirkulierende Geldmenge.

Wenn die Fed ihre Zinssätze senkt, tun dies auch die Geschäftsbanken, und Kredite werden günstiger. Wenn die Fed ihre Zinssätze erhöht, werden Kredite teurer.
In einem Umfeld mit niedrigen Zinsen werden eher mehr Menschen dazu neigen, Geld zu verleihen, zu gebrauchen und sogenanntes “Wirtschaftswachstum” (Expansion) zu erzeugen. In einem Umfeld mit hohen Zinsen können es sich weniger Leute leisten, Geld zu leihen, es wird weniger verwendet und das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich oder ist sogar rückläufig (Kontraktion).
Das alles gehört zur sogenannten “Konjunktur”. Die Federal Reserve kann durch Regelung der Zinssätze die Expansion und Kontraktion des Geldes bis zu einem gewissen Grad nach Belieben drosseln. Im Falle eines Wirtschaftsversagens, wenn Schuldenhöhe bzw. Inflation außer Kontrolle gerät, hat die Regelung der Zinssätze eine geringe bis gar keine Wirkung. Mehr darüber in Kapitel 2.

Warum muss die Fed dies im Griff haben?
Um das zu verstehen, muss man sich in Erinnerung rufen, dass (1) alles Geld aus Schulden geschöpft wurde (Kredite), und dass (2) der Anstieg der Geldmenge zu Inflation führen kann.

Wenn die Geldmenge stetig wachsen (expandieren) dürfte, wäre es schlicht eine Frage der Zeit, bevor der Markt mit überschüssiger Liquidität gesättigt wäre und das Wirtschaftswachstum ersticken würde. Das würde eine Inflation auslösen, das Geld entwerten, die Preise steigern. Desgleichen sind offene Schulden direkt proportional zur Geldmenge. Je mehr also ein Wirtschaftssystem expandiert, desto mehr Schulden werden geschaffen. Dies bereitet eine unvermeidliche Systemkrise vor, denn das Geld, das man benötigt, um die für die Kredite fälligen Zinsen zu bezahlen, existiert in der Ökonomie zunächst nicht. Wer mit dieser Tatsache nicht vertraut ist, lese bitte Web of Debt von Ellen Brown, Kapitel 2. Daher gibt es immer mehr offene Schulden als Geld vorhanden ist. Wenn die Schulden einmal höher gewachsen sind, als eine Person oder Gesellschaft es sich leisten kann, gerät sie in Verzug (oft systematisch), Kreditquellen fließen schwächer bzw. versiegen und die Geldmenge kontrahiert. Dieses besondere Szenario, bei dem Schulden die Expansion überwältigen oder zunichtemachen, könnte man schlicht “finanziellen Zusammenbruch” nennen.

Bevor wir nun fortfahren, müssen wir etwas genauer über Schulden reden. Es sollte klar verstanden werden, dass die Schulden selbst auch ein sehr wirksames Werkzeug zur sozialen Kontrolle sind, aber nicht so, wie sich das die meisten vorstellen. In einem Geldsystem ist die gesamte Struktur auf der Teilnahme von Menschen aufgebaut. Die Struktur ist immer hierarchisch, weswegen die an der Spitze der Pyramide mehr profitieren, als die Mehrheit am unteren Ende. Deshalb ist es für jene an der Spitze ein positiver Sachverhalt, Leute motiviert zu halten, erwerbstätig zu sein, den Verlust ihres Jobs zu fürchten und daher unterwürfig zu sein. Jemand, der einen Job “braucht”, wird wahrscheinlich eher eine niedrige Entlohnung annehmen und weniger Probleme erzeugen.
Einer der bewährtesten Wege, Leute zum Arbeiten und zur Unterordnung zu bringen, ist, sie in Schulden zu stürzen. Eine stark verschuldete Person wird dem System gegenüber viel gehorsamer sein, als eine, die keine Schulden hat. Über den Mechanismus der “Schuldsklaverei” wird wenig geredet, denn die meisten denken nicht einmal darüber nach. Jeder existierende Dollar und Euro muss im Prinzip an das Bankensystem zurückgezahlt werden, und zu diesem Zweck muss das Geld von den verschuldeten Parteien “verdient” werden, üblicherweise in Form von “Lohn” oder “Profit”, was menschliche Dienstbarkeit oder sogar Knechtschaft erfordert.

Dieses Problem ist verbunden mit der Tatsache, dass es immer mehr offene Schulden gibt, als Geld existiert (wegen der verlangten Zinsen), was den Versuch der Öffentlichkeit, innerhalb des Systems auf Null herauszukommen, nutzlos macht. Es wird immer weiter Schulden zurückzuzahlen geben, was die Versklavung der Massen sichert.

Im nächsten Kapitel werden wir die Analyse des Finanzsystems und seiner Strategien fortführen, um zu zeigen, wie das wiederholte Versagen des Systems auf die eine oder andere Art in dessen Gefüge selbst verankert ist.

Zuvor fassen wir zusammen, was in diesem Kapitel besprochen wurde:

Zusammenfassung von Kapitel 1

Unsere Welt wird durch die Anwendung der Geldwirtschaft (das “Geldsystem”) bestimmt. Auf diesem System aufbauend wird der ‘Wert’ eines Guts oder einer Dienstleistung durch die Verfügbarkeit (Grad der Knappheit) der notwendigen Ressourcen festgelegt, und ebenso durch die Art und Menge menschlicher Arbeit, die im Produkt oder Dienst enthalten ist. Aus dieser Werttheorie kann man ableiten, dass, falls Güter und Dienstleistungen ohne menschliche Arbeit hergestellt werden könnten und außerdem Ressourcen in reichem Überfluss vorhanden wären, dann der Wert (das Preisschild) Null wäre, und demzufolge gäbe es überhaupt keinen Geldwert. Wenn eine solche Lage einträte, etwa durch durch die Anwendung von Automation statt Arbeit, und durch chemische Prozesse zur Ersetzung knapper Rohstoffe, hätte das gesamte Finanz-/Profitsystem keine Basis und könnte nicht existieren.

Eine treibende Grundkonstante des Markts ist Knappheit. Das freie Unternehmertum möchte Knappheit, denn diese steigert die Nachfrage. Diese Tatsache erzeugt eine augenblickliche Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt und menschlichen Belangen und verstärkt missbräuchliche Verfahrensweisen, welche die Produktionskapazitäten und die Verfügbarkeit der Ressourcen begrenzen, anstatt sie zu zum Wohle aller zu erweitern. Deshalb ist Überfluss unmöglich. Auch das Geld im System wird absichtlich durch die Zentralbanken verknappt, wodurch Menschen tagtäglich gezwungen sind, einander zu bekämpfen, niemals genug für alle vorhanden ist und Armut und Klassenschichtung aufrecht erhalten werden.

Das Geldsystem braucht ‘zyklischen Konsum’, oder ständigen Absatz auf den Märkten. Daraus folgt ein natürlicher Hang bzw. Bedarf zur Schaffung schnell versagender minderwertiger Produkte. Denn wenn haltbare, unverderbliche, nachhaltige Güter hergestellt würden, würde der Markt darunter leiden, da weniger Grund zu Reparatur oder Neukauf eines Produkts bestünde. Das führt zu einem hohen Grad an Vielfalt, Überschuss und Verschmutzung. Wenn die Güter einer Gesellschaft tatsächlich dazu gedacht wären, lange Zeit zu halten, indem man die besten bekannten Rohstoffe und Methoden verwendete, könnte das Geldsystem nicht bestehen, denn es kann nur funktionieren, wenn ständig finanzieller “Input” durch Einkäufe erbracht wird.

Die wichtigste menschliche Streben ist das Überleben. In einem Geldsystem wird dieses eingebaute Eigeninteresse in ständiges Streben nach ‘Profit’ umgewandelt. Diese Einstellung hat der Gesellschaft erwiesenermaßen weit mehr Probleme als Nutzen beschert, denn das öffentliche Interesse muss gegenüber finanziellem Gewinn immer zurückstehen. Wenn das Unternehmertum wirklich um die Gesellschaft ‘besorgt’ wäre und zuallererst im Interesse des Gemeinwohls und der Menschen handelte, würde das Geldsystem nicht funktionieren, denn die gesamte Ausrichtung der Struktur verlangt nach “Wettbewerbsvorteilen”. Anders ausgedrückt haben ‘Gleichheit’ und ‘Fairness’ keinen Platz in einem System, in welchem Überleben vollständig auf Wettbewerb aufbaut. Natürlich werden die Verteidiger des Systems behaupten, dass es “Anreize” schafft, aber diese Anreize sollen lediglich zur Verfolgung finanziellen Gewinns motivieren, nichts anderes. Bedeutsame Beiträge zur Gesellschaft sind ein zufälliges Nebenprodukt des Systems, nicht das eigentliche Ziel. Wirtschaftskorruption ist ebenfalls immer vorhanden, häufig einfach als normal und rechtmäßig hingenommen. Gleichzeitig ist Krieg die extremste Form von Wirtschaftsstimulation, und das macht aus Tod und Zerstörung etwas Positives für jene, die aufgrund ihrer geschäftlichen oder politischen Situation davon profitieren. Krieg wird vielmehr – unabhängig von seiner Unmenschlichkeit – von der Industrie gewollt. Angesichts dieser Wirklichkeit wird Krieg vermutlich nie verschwinden, solange das Profitsystem etabliert bleibt, und gleichzeitig wird das menschliche Verhalten selbst stets einen Hang zum Missbrauch zeigen, solange man Vorteile über andere erringen muss, um zu überleben.

Das menschliche Wertesystem ist in großen Teilen ein Ergebnis der Lebensumstände. Der Einfluss des Geldsystems hat sowohl durch die rücksichtslose Einstellung, die es zur Gewinnerwirtschaftung braucht, als auch durch die entstellten Werte, die die Werbeagenturen erzeugen, um Leute zum Kaufen zu erziehen, eine Kultur nutzloser, aggressiver und unsicherer Menschen hervorgebracht. Eitelkeit, Stolz, Eifersucht und Gier sind alles Nebenprodukte des Systems. Und wo es um die ‘Förderung’ von Verkäufen geht, ist das Ergebnis wichtiger als das Mittel. Gleichermaßen schafft die auf Wettbewerb beruhende, am Eigennutz orientierte Motivation des Besitzstrebens eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber dem Wohl anderer und erhält Schieflagen zum Zwecke des Missbrauchs und der Vorteilsgewinnung aufrecht.

 

weiter zum Kapitel 2: Der endgültige Zusammenbruch

SOURCE: TZM – RBE (Stand: 27.10.2011)

Ein Gedanke zu „Ressourcenbasierte Wirtschaft – Kapitel 1: Geldwirtschaft

  • 2015.01.07 um 03:23
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