Billard = Schach? Part IIIb: Strategie, 8-Ball

Die Regeln beim klassischen Poolbillard bzw. 8-Ball sind klar definiert. Die sog. “Kneipenregeln”, die von Stadt zur Stadt und von Kneipe zur Kneipe sich variieren, kommen einfach dadurch, dass man in solchen Lokalen meist nur Münztische findet, wo pro Spiel ein bestimmter Geldbetrag verlangt wird und die Kugeln nach dem Einlochen im Tisch verschwinden (außer der weissen Kugel natürlich), bis man das Kleingeld für das nächste Spiel rein wirft. Dabei wird einfach versucht das Spiel zu verlängern, um den gezahlten Betrag etwas mehr auszureizen. Auf diese Regeln möchte ich hier gar nicht eingehen, da ich generell gegen solche Tische bin, weil sie nicht den Standards entsprechen. Allein die Tatsache, dass die weiße Kugel bei solchen Tischen meist spührbar größer und schwerer ist, als die restlichen Kugeln, ist meiner Meinung nach eine Katastrophe!

Der Anstoß beim 8-Ball muss sich darauf konzentrieren wenigstens eine Kugel zu versenken. Dies ist möglich durch training recht gut zu kontrollieren, indem man leicht von der Seite die erste Kugel nicht ganz voll trifft (ca. 80%), sodass diese, abgestossen von den anderen in eine Mitteltasche fällt. Ich persönlich beherrsche diesen Präzisen und kontrollierten Anstoss nicht, dafür versuche ich das Dreieck möglichst voll zu treffen und den Kugeln möglichst viel Energie zu übergeben, in der Hoffnung, dass es gut aufgebaut (bei diesem Beispiel möchte ich nicht auf die Reihenfolge der Kugeln beim Aufbauen, sondern nur auf die Art hinweisen, wie das Dreieck richtig “press” augebaut wird.) war und nun wenigstens eine Kugel fällt.

Direkt nach dem Break muss man sich einen Plan für das Spiel überlegen. Man entscheidet sich für eine “Farbe” der Bälle (die sog. “Halben” oder die “Ganzen”) meist aus einem der beiden folgenden Gründe: die gute Lage der gewählten Bälle oder die schlechte Lage der nicht gewählten Bälle. Es ist wichtig sich von solchen Nebensächlichkeiten beeinflussen zu lassen, wie z.B. welche Kugel ist beim Break gefallen. Auch wenn z.B. zwei “ganze” Kugeln gefallen sind, hat man die Wahl und kann sich für die “halben” entscheiden, es sei denn, die Lage ist vergleichbar ausgewogen. Als guten 8er-Break bezeichne ich ein Anstoß, bei dem eine oder mehrere Kugeln fallen, die restlichen Kugeln gut auf dem Tisch verteilt sind und die Weisse sich möglichst mittig auf dem Tisch befindet.

Generell muss man eigene Skills (Fähigkeiten), so gut wie nur möglich selbst kennen, bevor man sich Gedanken um die Strategie macht. Von großem Vorteil ist auch das Vermögen die Skills des Gegners möglichst schnell einschätzen zu können. Das verschafft Transparenz und hilft oft bei den eigenen Entscheidungen über riskante und/oder sichere Stöße. Viel zu oft überschätzt man eigene Fähigkeiten und riskiert doch mehr, als notwendig. Bei 8-Ball ist es einwenig anders als bei 9-Ball, denn verschiesst man seine letzte Kugel, heisst es nicht gleich, dass man so gut wie verloren hat, wenn der Gegner noch genügend eigene Kugeln zu versenken hat. Wobei diese Aussage ist nicht mehr treffend, sobald man gegen sehr gute Billardspieler spielt. Generell gilt: gebe nie ungewollt deinen nächsten Zug ab! Wenn du Risiko eingehst, solltest du dir überlegen, was passiert wenn es daneben geht. Wie bleiben die Kugeln liegen und wie ist dann die Situation für den Gegner? Sobald man sich das klar vor Augen führt, wird einem recht schnell klar, ob sich es das Risiko Wert ist, oder eher nicht.

Aus meiner Erfahrung kan ich sagen, dass gute 8-ball Spieler solche sind, die sich sehr gut beherrschen können. Je ruhiger, konzentrierter und konstanter die Person beim Spielen ist, desto besser sind meist die Ergebnisse. Natürlich gilt das ebenso auch für 9-ball Spieler, doch wenn ich mir erlaube diese Eigenschaften unterschiedlicher Spieler zu vergleichen, muss ich sagen, dass ich auch schon sehr gute 9-ball Spieler getroffen habe, die zwar sehr konstant in ihrer Spielstärke sind, doch kommen diese mit ihrer deutlich draufgängerischen Art zu spielen deutlich weiter als beim 8-ball.

Was gibt es nun eigentlich zu der Strategie zu sagen? Eine gute 8-ball Partie, sofern sie nicht “ausgeschossen” wurde, besteht abwechselnd aus einer längeren Reihe an eingelochten Bällen, gefolgt von einem guten “Safety” (oder auch “Sicherheit” genannt). Auf Sicherheit spielt man in dem Fall, wenn eine Vorlagesituation anders gekommen ist, als gewolt und die Serie nicht ohne größeres Risiko fortgesetzt werden kann. “Sicherhet” ist ein sehr mächtiges Werkzeug im 8-ball, was insbesondere bei den Anfängern sehr gern schlicht weggelassen wird. Ein Stoß mit hohem Risiko (z.B. >= 50%) gleicht fast einer Aufgabe des Spiels im strategischen Sinne.

Die Risikohöhe des Stoßes abzuschätzen obliegt jedem Spieler selbst. Denn nur er selbst sollte seine Fähigkeiten im Spiel am besten abschätzen können.

3 thoughts on “Billard = Schach? Part IIIb: Strategie, 8-Ball

  • 2009.04.08 at 16:02
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    Gegen einen sehr guten Spieler ist es mir mal passiert, dass ich mit meiner ersten Aufnahme 6 Kugeln versenken konnte, beim konzentrierten Stellen auf die 8 jedoch versäumte, meine letzte Kugel zu lochen. Danach war es für meinen Kontrahenten eine Leichtigkeit auszuschießen, da ihm ja nur noch eine einzige meiner Kugeln im Weg lag.
    Ich finde, dass 8-Ball genau durch dieses Ungleichgewicht einen großen Reiz bekommt.

  • 2016.07.30 at 14:51
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    Die sogenannten Kneipenregeln gibts überall. Bei uns ist es so dass derjenige der die schwarze Kugel beim Break einlocht das Spiel sofort gewonnen hat. Die schwarze muss zum Schluss ins gegenüberliegende Loch versenkt werden. Und natürlich keine Ansage und man kann seine Kugeln (Halbe oder Volle) frei wie man möchte spielen.

  • 2016.09.09 at 00:32
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    sehr interessanter und gelungener artikel. haben auch unsere kneipenregeln – spielen bei uns im dort auch mal nur über die banden. so kann man viel länger am tisch verbringen, da hast du recht

    übrigens ein kleiner rechtschreibfehler – nix wildes :) “Aus meiner Erfahrung kan …”

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