Billard = Schach? Part IIIa: Strategie, 9-Ball

Wieder möchte ich Billard mit Schach vergleichen. Strategie ist allein vom Charakter des Spielers abhängig und so macht es die Tatsache sehr spannend, dass man so manches Spiel beim Billard, wie übrigens auch beim Schach, auch ohne technische Überlegenheit dennoch für sich entscheiden kann.

Wieviele verschiedene Strategien gibt es? Naja, ich würde behaupten, dass man grob schon unterscheiden kann, ob ein Spieler zum Beispiel absolut selbstsicher und draufgängerisch spielt, eher zurückhaltend und vorsichtig oder eher eine gesunde Mischung aus beiden. Die letztere, so möchte ich behaupten, ist rein vom strategischen Gesichtspunkt her, die beste.

Es hängt von der momentanen Situation auf dem Tisch, natürlich von dem Spiel selbst (8-ball, 9-ball oder andere), und von der richtigen Einschätzung des eigenen Könnens ab, ob man sich für einen riskanten Stoss, oder eher für eine Sicherheit (Sicherheitsstoss) entscheidet. Sehr viele Anfänger spielen stets einfach weiter, ohne auch nur ein Mal sich Gedanken zu machen, ob nicht genau jetzt, an dieser Stelle eine Sicherheit die beste Wahl wäre.
Eine Regel sollte man, meiner Meinung nach, immer befolgen: man sollte nur die Entscheidung nehmen, bei der man sich sicherer fühl, dass das Ergebnis nach dem Stoss auch den eigenen Vorstellungen entspricht.

9-ball

Aufgrund der einfachen 9-Ball Regel, dass derjenige das Spiel gewonnen hat, der “die neun” versenkt, ist hier oft zu sehen, dass man sich gegenseitig öfter, als z.B. beim 8-Ball, Sicherheiten legt. Der Grund dafür ist relativ klar: die Regel besagt, dass man nur eine ganz bestimmte Kugel anspielen darf, nämlich die mit der kleinsten Nummer. D.h. im Gegensatz zu 8-Ball hat man nicht so viele Möglichkeiten, solange noch mehrere “eigene” Kugeln auf dem Tisch liegen, sondern muss stets nur die eine, kleinste Kugel treffen. Das bietet sich schonmal, um dem Gegner eins auszuwischen und ein “Foul” zu provozieren. Nach einem regulären Foul, hat man, wie auch bei 8-Ball, die Möglichkeit (sog. “Ball-in-Hand”) die weisse Kugel auf dem Tisch für sich zu positionieren und so auch die beste Voraussetzung das Spiel für sich zu entscheiden.

9-Ball ist ein Spiel, was ich eigentlich am liebsten mag. Hier muss man sich am meisten konzentrieren, denn bei einer Unachtsamkeit, insbesondere gegen Ende des Spiels, dreht sich die Situation fast immer um 180°! Ich wage sogar zu behaupten, das man theoretisch jedes 9-Ball Spiel gewinnen kann, wenn man Anstoss hat und folgende 2 Bedingungen nach dem Eröffnungsstoss erfüllt sind:
– eine oder mehrere Kugeln werden beim Anstoß versenkt
– die weisse Kugel bleibt so stehen, dass die nächste Kugel, die an der Reihe ist versenkt zu werden, einfach lochbar und unverdeckt auf dem Tisch liegt.

Naja, vielleicht noch diese:
– es sind nicht mehr als 3 “Probleme” auf dem Tisch.
Mit einem “Problem” bezeichnet man (und ich auch :) z.B. zwei oder mehrere sehr nahe an einander und an eine Bande liegende Kugeln.

Die absolut richtige Strategie bei diesem Spiel ist es: sich absolut ernsthafte Gedanken über die sogenannte “Vorlage” zu machen, also über die genaue Position der weissen Kugel nach dem Stoss. Denn ohne die richtige und genaue Vorlage kann man keine 2-3 Kugeln nacheinander einlochen.
Wenn die Vorlage für die nächste Kugel schwer bis unmöglich zu realisieren scheint, ist es fast schon zu spät. Bereits davor hat man mit großer Wahrscheinlichkeit einen Fehler gemacht. Der nächste Stoss muss ein Sicherheitsstoß sein!

2 thoughts on “Billard = Schach? Part IIIa: Strategie, 9-Ball

  • 2009.04.08 at 15:48
    Permalink

    Das übertrifft die kurzen Kopfstoß-Videos noch um Lichtjahre – genial!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *